Streifzug über den Suq

Jerusalem ist unglaublich vielfältig. Die Neustadt ist sehr westlich geprägt und gleichzeitig immer wieder durchzogen von Komponenten, die zeigen, dass sie eben doch nicht rein westlich ist. Die Oststadt, nur einen Straßenzug entfernt, ist viel mehr so, wie wir Europäer uns eine arabische Stadt vorstellen: laut, ein wenig chaotisch – hier ist einfach viel los. Innerhalb der Altstadtmauern kulminieren dann die Weltreligionen und die Heiligen Städten. Das Herz der Städte des Orients sind aber immer ihre Suqs, lange Einkaufsstraßen auf alten Pflastern, oftmals überdacht, mit kleinen Läden, in denen man eigentlich alles erhalten kann (natürlich nicht, ohne ordentlich zu feilschen, denn festgelegte Preise gibt es hier nicht), was man für das alltägliche Leben braucht oder auch nicht braucht.

Heute möchte ich euch Blogleser einfach einmal mitnehmen auf einen Streifzug über die Suqs der Jerusalemer Altstadt, über die ich in freien Zeiten nur allzu gerne laufe. Natürlich nicht, ohne bei Shabaan einen neuen Schal zu erwerben und ein Tässchen Tee zu trinken…

Frauenherzen schlagen höher...

Frauenherzen schlagen höher…

... und höher.

… und höher.

Auch religiöse Bedürfnisse finden Befriedigung.

Auch religiöse Bedürfnisse finden Befriedigung.

Kreuze über Kreuze

Kreuze über Kreuze

Platz vor der Erlöserkirche

Platz vor der Erlöserkirche

Die Straßenschilder sind alle dreisprachig.

Die Straßenschilder sind alle dreisprachig.

Kleiner Snack für Zwischendurch

Kleiner Snack für Zwischendurch

Der Armenier meines Vertrauens

Der Armenier meines Vertrauens – ein typischer kleiner „Supermarkt“

Der Fleischersuq wird von Vegetariern eher gemieden. Ich finds dort schon ganz cool, aber grad im Sommer ist der Fleischgeruch dann doch zu viel. Und morgens nach dem Schlachten sollte man aufpassen, dass man auf den vom Blut getränkten Pflastersteinen nicht ausrutscht.

Der Fleischersuq wird von Vegetariern eher gemieden. Ich finds dort schon ganz cool, aber grad im Sommer ist der Fleischgeruch eine Nummer zu viel. Und morgens nach dem Schlachten sollte man aufpassen, dass man auf den vom Blut getränkten Pflastersteinen nicht ausrutscht.

Straßenstände in der Oststadt.

Straßenstände in der Oststadt.

Zu dem Bild eine Anekdote: Meine Mutter sagte mir am Telefon: "Du könntest uns wieder Gewürze mitbringen. Das, was Du uns vor acht jahren mitgebracht hast." - "Das kann ich machen, was war das denn für ein Gewürz?" - "Na, das Leckere!"

Zu dem Bild eine Anekdote: Meine Mutter sagte mir am Telefon: „Du könntest uns wieder Gewürze mitbringen. Das, was Du uns vor acht jahren mitgebracht hast.“ – „Das kann ich machen, was war das denn für ein Gewürz?“ – „Na, das Leckere!“

arabischer Obstladen

arabischer Obstladen

buntes Treiben vorm Damaskustor

buntes Treiben vorm Damaskustor

Frisch gepresster O-Saft...

Frisch gepresster O-Saft…

... ist was Feines!

… ist was Feines!

Man könnte ja auch mal wieder ein Tuch kaufen....

Man könnte ja auch mal wieder ein Kleid kaufen….

Im Suq

Im Suq – Handtaschen, Schals, Sonnenbrillen und Ohrringe – was will Frau mehr?

Frische Brötchen?

Frische Brötchen?

Am Morgen werden die Läden aufgemacht

Am Morgen werden die Läden aufgemacht.

Jüdisches Schofarhorn....

Jüdisches Schofarhorn….

... oder doch lieber einige christliche Kerzen?

… oder doch lieber einige christliche Kerzen?

touristisches Mitbringsel

touristisches Mitbringsel

Die Händler haben die verschiedensten Tricks, um die Kunden anzulocken: „You are Deutsch? Kannst Du mir helfen, bitte? Kannst Du schreiben auf Zettel „Ausverkauf“?“ Und wenn man dann mit in den Laden geht und den gewünschten Zettel schreibt, dann sind die Händler überglücklich und wollen Dir einen Ohrring schenken – nur den zweiten muss man dazu kaufen. Allerdings selbstverstädnlich zum „special price“!

Momentan läuft die letzte Vorlesung des Studienjahrs: Professor Markschies erklärt uns bedeutende Theologen Palästinas. Heute ging es dazu noch einmal auf den Ölberg – bei strahlendem Sonnenschein und mit Blick auf die Altstadt wurden uns Origenes, Pelagius und andere nähergebracht. Und am Ende ging es dann ins Österreichische Hospiz auf einen Kaffee – oh du fröhliche Studentenzeit: vivat academia, vivant professores!

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

O wahrhaft selige Nacht

die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet!

Es gibt einige (vertonte) Texte in unserer Kirche, die einfach nur wunderschön sind und die in ihrer Poesie und Aussagekraft eigentlich alles übersteigen: Das sind für mich zum einen die eucharistischen Hymnen des Thomas von Aquin und zum anderen das Exultet der Osternacht. Bisher durfte ich Ostern entweder im Hohen Dom zu Köln oder in Cuxhaven an der Nordsee erleben – an beiden Orten hat es mir immer ausnahmslos gut gefallen. Doch das, was ich in diesen Tagen in Jerusalem erleben durfte (und noch immer darf), kann zweifelsfrei als schönstes und bewegenstes Osterfest meines bisherigen Lebens gelten.

Bei strahlendem Sonnenschein - nein, wir haben kein deutsches, kaltes und ungemütliches Wetter - wurden die Ostereier im Garten eingefärbt.

Bei strahlendem Sonnenschein – nein, wir haben kein deutsches, kaltes und ungemütliches Wetter – wurden die Ostereier im Garten eingefärbt.

Wie vermutlich vielen Studienjährlern hat es mir schlichtweg die Sprache verschlagen. Die vergangenen Tage waren anstrengend und intensiv und haben auch gerade stimmlich durchaus herausgefordert – schließlich gab es viel zu singen.  Aber es war mir vergönnt, die Heilige Woche und insbesondere das Triduum Paschale so intensiv zu erleben, dass ich es wirklich nicht in Worte fassen kann. Da waren zum einen die Gottesdienste, Stundengebete und Trauermetten in der Dormitio, die unglaublich stimmig waren und einen großen Bogen gespannt haben zur Osternacht hin. Zum anderen war auch in der Stadt ständig irgendwo etwas los. Ich bin jeden Tag in die Grabeskirche gegangen und habe mich dort einfach einige Zeit aufgehalten.

Zum Ende der Karfreitagsliturgie fand die Grablegung statt - alle Gebetszeiten fanden nun in der Krypta statt.

Zum Ende der Karfreitagsliturgie fand in der Dormitio die Grablegung statt – alle Gebetszeiten waren nun in der Krypta.

Die Feier der Osternacht begann morgens um 3 Uhr und hat mich tief berührt. Als wir nach dem Gottesdienst mit der Schola oben auf der Orgelempore standen, da flossen bei einigen durchaus ein paar Tränchen – und ich habe mir gedacht: Wie soll ich denn noch mal wo anders Ostern feiern? Ich habe das dumpfe Gefühl, dass es mich spätestens in der Osterzeit immer wieder nach Jerusalem verschlagen wird…

Die Dormitio morgens um kurz vor drei: Dunkel wars, der Mond schien helle... (Foto: Kathy Saphir)

Die Dormitio morgens um kurz vor drei: Dunkel wars, der Mond schien helle… (Foto: Kathy Saphir)

Die Osterkerze wird von Abt Gregory gesegnet... (Foto: Dormitio)

Die Osterkerze wird von Abt Gregory gesegnet… (Foto: Dormitio)

Abt Gregory entzündet die Osterkerze (Foto: Dormitio)

… und entzündet. (Foto: Dormitio)

Nach dem Osterfeuer prozessierten wir in die Kirche, wo der Lesegottesdienst begann. (Foto: Dormitio)

Nach dem Osterfeuer prozessierten wir in die Kirche, wo der Lesegottesdienst begann. (Foto: Dormitio)

(Foto: Kathy Saphir)

(Foto: Kathy Saphir)

Die Feier der Eucharistie (Foto: Dormitio)

Die Feier der Eucharistie (Foto: Dormitio)

(Foto: Dormitio)

(Foto: Dormitio)

Bruder Nikodemus singt das Exultet. (Foto: Dormitio)

Bruder Nikodemus singt das Exultet. (Foto: Dormitio)

Beleuchtete Mönche (Foto Doritio)

Beleuchtete Mönche (Foto Doritio)

Für mich das schönste Bild - ist das nicht unfassbar schön? (Foto: Kathy Saphir)

Für mich das tollste Bild – ist das nicht unfassbar schön? (Foto: Kathy Saphir)

Gleich wird das Taufwasser gesegnet. (Foto: Kathy Saphir)

Gleich wird das Taufwasser gesegnet. (Foto: Kathy Saphir)

Unsere Studentenschola (Foto: Kathy Saphir)

Unsere Studentenschola (Foto: Kathy Saphir)

Am Ostermorgen dann, wir waren alle rechtschaffen müde nach der 3 Stunden und 15 Minuten langen Osternacht, gab es erst einmal ein großes gemeinsames Osterfrühstück. Danach haben wir Studienjährer, die sich noch einigermaßen auf den Beinen halten konnten, im Garten zum Fastenbrechen getroffen: Mit einem Gläschen Wein oder einer Flasche Bier saßen wir, inklusive Professoren, morgens um 7:30 Uhr zusammen, haben viel gelacht und die Osterlieder des Gotteslobes rauf- und runtergesungen.

Um 11 Uhr war dann das Osterhochamt – zum Schluss mit Überraschung von Pater Basilius, der als Hauptzelebrant bunte Schokoladeneier beim Auszug unter seinem Messgewand hervorholte und über den Boden kullern ließ zur Freude aller Anwesenden.

Hochamt am Ostersonntag - und auf Wunsch einer einzelnen Kölnerin wurde auch "Das Grab ist leer", GL 862 (der Beweis ist auf dem Foto zu sehen!) auf die Kölner Melodie gesungen. (Foto: Kathy Saphir)

Hochamt am Ostersonntag – und auf Wunsch einer einzelnen Kölnerin wurde auch „Das Grab ist leer“, GL 862 (der Beweis ist auf dem Foto zu sehen!) auf die Kölner Melodie gesungen. (Foto: Kathy Saphir)

Die Osterkerze (Foto: Kathy Saphir)

Die Osterkerze (Foto: Kathy Saphir)

Das Osterkreuz ist nun unverhüllt. (Foto: Kathy Saphir)

Das Osterkreuz ist nun unverhüllt, das Taufwasser ist neu geweiht. (Foto: Kathy Saphir)

Die Fahnen wehen im Winde. (Foto: Kathy Saphir)

Die Fahnen wehen im Winde. (Foto: Kathy Saphir)

Und dann war es auch schon Zeit für das große österliche Mittagessen, bei dem wir es uns haben gut gehen lassen:

Ostertafel

Osteressen

Im Kopf geblieben ist mir die Predigt vom Ostersonntag: „Was, wenn es wahr wäre? – Es ist wahr!“

Er ist wahrhaftig auferstanden!

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN! ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN! HALLELUJA!

3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

Ecce lignum Crucis, in quo salus mundi pepéndit

Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen – Kommt, lasset uns anbeten!

Es ist der Abend des Karsamstags und wir befinden uns nur wenige Stunden entfernt von der Osternacht, in der unser Kirchenjahr seinen absoluten Höhepunkt findet. Nun komme ich endlich dazu, den lange angekündigten Beitrag über die Grabeskirche zu veröffentlichen.

Die Grabeskirche ist vielleicht der prominenteste Ort der Christenheit. Ihr Baubeginn war im Jahr 326 und sie wurde vielfach erweitert und ausgebaut, mitunter sogar durch einen Brand schwer beschädigt. Sie soll erbaut worden sein auf dem Felsen Golgotha, wo Jesus Christus gekreuzigt wurde. Ob es sich bei dem Felsen, der sich heute im Inneren der Kirche befindet, tatsächlich um Golgotha handelt, ist umstritten, aber zumindest auch nicht ganz abwegig.

Die Grabeskirche beherbergt die letzten Stationen der Via Dolorosa, des Leidensweges Christi. So werden hier zum Beispiel die Stelle der Kreuzigung, der Ort der Salbung von Christi Leichnam und natürlich das Heilige Grab verehrt.

Ich persönlich habe durchaus meine Schwierigkeiten mit dieser Kirche. Zum einen ist sie touristisch oft absolut überlaufen, von Andacht keine Spur. Zum anderen befinden sich in ihr sechs christliche Konfessionen, die die Anwesenheit des anderen mehr oder auch weniger akzeptieren – ständige Streiterein sind inbegriffen. Und so zeigt mir diese Kirche an dem für uns Christen doch eigentlich entscheidensten Ort überhaupt eher die Zerstrittenheit des Christentums als seine Einheit – was ich besonders hier immer als sehr schmerzhaft empfinde.

Allerdings habe ich in den letzten Monaten die Grabeskirche auch zu schätzen gelernt. Gerade in den Randstunden findet man hier auch Ruhe. Schon zweimal durfte ich an einer Messe im Heiligen Grab teilnehmen – das sind ganz besondere Augenblicke, in denen es still wird und die ich durchaus als Höhepunkte meiner Zeit in Jerusalem bewerten würde. Ja, es ist der Ort, an dem Jesus Christus auferstanden ist – und trotz all der Dinge, die oft gegen die Grabeskirche sprechen mögen, so berührt sie mich ja doch irgendwie immer aufs Neue.

Über zwei Eingänge erreicht man den Vorplatz zur Grabeskirche - eine weitere Alternative ist der Zugang über das Dach. Durch eine Kapelle kommt man auch auf diesem Wege zum Vorplatz.

Über zwei Eingänge erreicht man den Vorplatz zur Grabeskirche – eine weitere Alternative ist der Zugang über das Dach. Durch eine Kapelle kommt man auch auf diesem Wege zum Vorplatz.

Die Grabeskirche von außen - wer wissen will, was es mit der Leiter am Fenster zu tun hat: seit 1852 herrscht der status quo, was bedeutet, dass an der Kirche nichts mehr verändert werden darf, um Streitigkeiten vorzubeugen. Das hat auch zur Folge, dass diese Leiter, die aufgrund von Renovierungszwecken dort gestanden haben soll, nicht entfernt werden darf. Übrigens liegt die Schlüsselgewalt der Kirche in den Händen zweier muslimischer Familien. Denn die Christen können sich ja nicht einigen.

Die Grabeskirche von außen – wer wissen will, was es mit der Leiter am Fenster auf sich hat: seit 1852 herrscht der status quo, was bedeutet, dass an der Kirche nichts mehr verändert werden darf, um Streitigkeiten vorzubeugen. Das hat auch zur Folge, dass diese Leiter, die aufgrund von Renovierungszwecken dort gestanden haben soll, nicht entfernt werden darf. Übrigens liegt die Schlüsselgewalt der Kirche in den Händen zweier muslimischer Familien. Denn die Christen können sich ja nicht einigen.

Das Heilige Grab wird tagsüber von Touristen nur so überströmt, dass man eigentlich kaum Zeit zur Anbetung findet. Dahingegen tuen die Messen innerhalb des Grabes richtig gut - nur wenige Menschen passen hier herein, es wird dann ganz still und untouristisch.

Das Heilige Grab wird tagsüber von Touristen nur so überströmt, so dass man eigentlich kaum Zeit zur Anbetung findet. Dahingegen tuen die Messen innerhalb des Grabes richtig gut – nur wenige Menschen passen hier herein, es wird dann ganz still und untouristisch.

Auch der Salbstein ist eine beliebte Touristenattraktion im Sinne einer Berührungsreliquie: alle möglichen Gegenstände werden hier drüber gezogen und dann quasi "geheiligt" mit nach Hause genommen.

Auch der Salbstein ist eine beliebte Touristenattraktion im Sinne einer Berührungsreliquie: alle möglichen Gegenstände werden hier drüber gezogen und dann quasi „geheiligt“ mit nach Hause genommen.

Und so sieht diese Aktion dann aus...

Und so sieht diese Aktion dann aus…

An diesem Ort soll Jesus Christus gekreuzigt worden sein.

An diesem Ort soll Jesus Christus gekreuzigt worden sein.

Auch wenn die Orthodoxen erst Anfang Mai Ostern feiern, so war Jerusalem in diesen Tagen dennoch von mehr als genug Pilgern gefüllt, die das Triduum Paschale, also die drei heiligen Tage, vor Ort begehen wollten. Und so fanden unzählige Prozessionen, Messfeiern, Andachten und manchmal auch skurrile Rituale statt – in Jerusalem kulminiert eben alles. Diese Vielfalt wird in der Grabeskirche bestens abgebildet: überall sind kleine Seitenältare, Bilder, Kreuze und und und, die von den verschiedensten Traditionen zeugen.

Grabeskirche I

Grabeskirche II

Grabeskirche III

Grabeskirche IV

Grabeskirche VI

Grabeskirche VIII

Grabeskirche IX

Grabeskirche X

Grabeskirche XI

Übrigens: Bei den Orthodoxen heißt die Grabeskirche Anastasis, zu deutsch „Auferstehungskirche“. Das ist eine theologische Implikation, die meines Erachtens viel deutlicher macht worum es an diesem Ort geht. In der Dormitio werden wir, nur einige hundert Meter vom Ort des leeren Grabes entfernt, in wenigen Stunden (um genau zu sein: um 3 Uhr morgens) die Auferstehung unseres Herrn feiern. Ich freue mich drauf!

Popule meus, quid feci tibi? Aut in quo contristavi te? Responde mihi. Quia eduxi te de terra Aegypti: parasti Crucem Salvatori tuo.

Mein Volk, was habe ich Dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Aus der Knechtschaft Ägyptens habe ich dich herausgeführt. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

חַג שָׂמֵחַ!

sprich: „chag sameach“ – das heißt so viel wie: Frohes Fest! Wieder einmal kommen wir in den Genuss eines jüdischen Festtages. Momentan ist Pessach, was von allen jüdischen Festen den Christen wohl am Bekanntesten ist. Ob nun das letzte Abendmahl Jesu ein Pessachmahl war, das ist in der Forschung nicht abschließend geklärt, dennoch ist „Pessach“ wohl den meisten ein Begriff: Die Juden gedenken dem Auszug aus Ägypten.

Wir hatten die große Ehre, im Beit Joseph den Sederabend, also den ersten Abend von Pessach, zu feiern. Dazu kam Tamar, die bei uns bereits eine politische Vorlesung gehalten hatte, mit uns auf Exkursionen war und einen Studientag zu jüdischer Exegese veranstaltet hat, auf den Zionsberg. Man muss sich das mal klarmachen: Sie hat im Grunde so etwas wie das Weihnachtsfest mit uns verbracht – mit uns Christen, die nicht dem jüdischen Glauben angehören. Dafür sei ihr an dieser Stelle ein ganz großer Dank ausgesprochen!

Natürlich gab es vorher viel vorzubereiten: Das Essen musste koscher sein – genau wie der ganze Raum. Da heißt, alles unkoschere Essen wie z.B. gesäuertes Brot, musste verschwinden. Jüdische Haushalte verbrennen vor Pessach sogar die Überreste von gesäuertem Brot. Manche Psalmen gestalteten wir musikalisch,  ein Heft mit allen Texten des Abends wurde erstellt – aber es hat sich gelohnt! Wir durften teilnehmen an diesem ganz besonderen Abend, Tamar verlas die Haggada und wir versuchten die Rituale mitzuvollziehen. So stellte zum Beispiel Sara, unsere „Jüngste“, die Frage, die immer das jüngste Familienmitglied am Tisch stellt: Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten? Die ganze Sedermahl-Liturgie hier zu beschreiben, würde allerdings den Rahmen sprengen. Man findet das aber, wen es interessiert, gut im Internet beschrieben.

Unser Vorlesungsraum bot an diesem Abend 50 Gästen Platz.

Unser Vorlesungsraum bot an diesem Abend 50 Gästen Platz.

Der Sederteller bietet Platz für die Dinge, die werden der Liturgie konsumiert werden.

Der Sederteller bietet Platz für die Dinge, die werden der Liturgie konsumiert werden.

Vier Gläser Wein trinkt jeder Teilnehmer des Sedermahls - an verschiedenen Stellen der Haggada.

Vier Gläser Wein trinkt jeder Teilnehmer des Sedermahls – an verschiedenen Stellen der Haggada.

Matzen - das ungesäuerte Brot - und Bitterkräuter standen auf dem Tisch bereit. Die Bitterkräuter sollen an das bittere Leben im Exil erinnern.

Matzen – das ungesäuerte Brot – und Bitterkräuter standen auf dem Tisch bereit. Die Bitterkräuter sollen an das bittere Leben im Exil erinnern.

Das Apfel-Nuss-Mus soll vom Aussehen her an Lehmziegeln erinnern und symbolisiert somit die Sklavenarbeit, welche die Juden im "Sklavenhaus Ägypten" verrichten mussten.

Das Apfel-Nuss-Mus soll vom Aussehen her an Lehmziegeln erinnern und symbolisiert somit die Sklavenarbeit, welche die Juden im „Sklavenhaus Ägypten“ verrichten mussten.

Doch wir bekamen an diesem Abend nicht nur Bitterkräuter und Matzen zu essen, sondern auch noch ein ganz hervorragendes Menü mit typischen Pessach-Speisen aufgetischt: lecker war's!

Doch wir bekamen an diesem Abend nicht nur Bitterkräuter und Matzen zu essen, sondern auch noch ein ganz hervorragendes Menü mit typischen Pessach-Speisen aufgetischt: lecker war’s!

Vermutlich merken alle Blogleser, dass ich gerade eifrig am Posten bin – und das, obwohl ich eigentlich keine Zeit für Blogeinträge habe. Aber die Zeit verrinnt und es gibt noch so vieles, was ich gerne erzählen möchte…

חַג שָׂמֵחַ! Ein frohes Pessachfest!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Hosanna dem Sohne Davids!

Am gestrigen Tag feierten wir Palmsonntag (Dominica in Palmis de passione Domini) – es ist der sechste und letzte Sonntag in der Fastenzeit gewesen, der speziell dem Einzug Jesu in Jerusalem gedenkt. Mit Palmsonntag hat nun die Heilige Woche begonnen, die ihren Höhepunkt in der Feier der Osternacht erfahren wird. Die Geschichte des Einzugs Jesu in Jerusalem dürfte wohl weitgehend bekannt sein, wer es dennoch noch einmal nachlesen möchte, den verweise ich zum Beispiel auf Mt 21 und Lk 19. Da steht es schön beschrieben.

Hier soll es nun einfach ein paar Bilder geben, um den Palmsonntag in Jerusalem zu visualisieren. Ein Dank geht an dieser Stelle an die Dormitio und an Julia für die Bilder!

Zu Beginn der Heiligen Messe versammelten wir uns vor der Dormitio.

Zu Beginn der Heiligen Messe versammelten wir uns vor der Dormitio.

Bruder Nikodemus verkündigt das Evangelium.

Bruder Nikodemus verkündigt das Evangelium.

Abt Gregory segnet die Palmzweige.

Abt Gregory segnet die Palmzweige.

Da so viele Menschen gekommen waren, wurden wir Sänger kurzfristig aufs Dach verfrachtet und durften den ersten Teil der Messe von oben singen.

Da so viele Menschen gekommen waren, wurden wir Sänger kurzfristig aufs Dach verfrachtet und durften den ersten Teil der Messe von oben singen.

Auch die Abtei ist mit Palmzweigen geschmückt - diese richtigen, großen Palmzweige kennen wir aus Deutschland leider gar nicht.

Auch die Abtei ist mit Palmzweigen geschmückt – diese richtigen, großen Palmzweige kennen wir aus Deutschland leider gar nicht.

Weihrauchinszenz vor dem Hochgebet.

Weihrauchinszenz vor dem Hochgebet.

Die Apsis der Dormitio während der Messe.

Die Apsis der Dormitio während der Messe.

Am Nachmittag gibt es dann eine große Prozession der christlichen Kirchen (also zumindest der Kirchen, die an diesem Tag Palmsonntag feiern, da gehören die Orthodoxen, die einen anderen Kalender haben, ja nicht dazu) vom Ölberg hinunter – man prozessiert quasi den Weg entlang, den Jesus gegangen sein soll.

Prozession I

Prozession II

Prozession III

Prozession IV

Prozession V

Prozession VI

Prozession VII

Prozession VIII

Prozession IX

Prozession X

Prozession XI

Mit diesen Bildern eines ganze besonderen Palmsonntags wünsche ich Euch und Ihnen allen einen gesegneten Start in die Heilige Woche – das Osterfest naht!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Liebe, Liebe, Liebelei, morgen ist sie vielleicht vorbei

Tanze Samba mit mir, Samba, Samba die ganze Nacht!

Gestern sind wir zurückgekehrt vom Abschluss- und Reflexionswochenende in Bet Gemal und von unserer letzten Exkursion. Am Donnerstag, dem Hochfest des Heimgang Benedikts, kam ein letztes Mal der Bus von Sindbad vors Beit Joseph um eine Horde gut gelaunter Studienjährler abzuholen. Im Bus dann teilten uns unsere Assistenten mit, dass wir nun erst einmal entführt werden würden – eine unangekündigte Exkursion stand auf dem Plan. Es ging nach Beit Guvrin, zu den Überresten der alten jüdischen Stadt Maresha aus dem Königreich Juda und einer nachfolgenden römischen Stadt. Die Ortsführung hatten unsere Assistenten sehr amüsant in Reimform gebracht, was für viel Lachen sorgte.

Studienjährler auf Erkundungstour in einem alten Wohnhaus.

Studienjährler auf Erkundungstour in einem alten Wohnhaus.

Besonders beeindruckend waren die alten Grabkammern mit ihren Wandbemalungen:

Grabkammer Der Elefant der Schlange geht's an den Kragen Grabkammer Ausgang

Dann stand noch ein Stop beim Amphitheater an, das sehr gut erhalten ist. Aber das war nicht die eigentliche Überraschung. Nein, unsere Assistenten überraschten uns mit einem Sektempfang in den Ruinen – so kann ein letztes Exkursionswochenende beginnen!

Sara, Sekt und ich im Amphitheater.

Sara, Sekt und ich im Amphitheater.

Nun ging es aber wirklich nach Bet Gemal. In einem ehemaligen Waisenhaus bezogen wir Quartier. Ebenfalls mit auf dem Grundstück befinden sich zwei Orden: eine Männerkongregation der Salesianer und ein relativ neuer Frauenorden, die genau wie die Kartäuser ganz klausuriert leben – ihre beeindruckende Liturgie konnten wir von der Besucherempore mitverfolgen. Landschaftlich liegt das Haus wunderschön, leider ist in den letzten Jahren ganz in der Nähe eine große Siedlung entstanden, die die Schönheit der Landschaft untergräbt…

Unsere Wohnstätte (Foto: Tobias Stäbler)

Unsere Wohnstätte (Foto: Tobias Stäbler)

Als wir unsere Zimmer bezogen, gab es für die Herren erst einmal einen kleinen Schock: 14 Mann in einem Schlafsaal! Wir sieben Mädels waren auf zwei frisch renovierte Zimmer mit großem Bad aufgeteilt worden. Irgendwie herrschte bei den Herren dennoch eine Stimmung zwischen Verzweifelung und Amüsement. Überlebt haben es aber dennoch alle. Und mal ganz ehrlich, wann hat man schon mal die Gelegenheit in solchen Sälen zu nächtigen, die wir sonst nur aus alten Filmen kennen? Außerdem war das Essen fantastisch – mit hervorragender italienischer Küche wurden wir verwöhnt. Und der aufziehende Sandsturm sorgte zuerst für eine große Hitze, die dann schnell umschlug, als alles gelb, sandig und kalt wurde und die Sicht unter 50 m lag.

Das Bild zeigt ja nur die Hälfte des Raumes - übrigens war es innerhalb des Gebäudes ziemlich, ziemlich kalt - draußen dafür umso wärmer!

Das Bild zeigt nur die Hälfte des Raumes – übrigens war es innerhalb des Gebäudes ziemlich, ziemlich kalt – draußen dafür umso wärmer! (Foto: Tobias Stäbler)

Die Generation Laptop im Kloster.

Die Generation Laptop im Kloster.

Eigentlich wollten wir alle noch nicht reflexieren. Aber es war eine wichtige Sache. Über viele Dinge bin ich mir klar geworden. Was hat das Studienjahr für mich bedeutet? Da ist natürlich der akademische Teil. Was ich hier wissenschaftlich gelernt habe, das dürfte enorm sein: neue theologische Schwerpunkte und Akzente, neue Perspektiven und andere Blickwinkel, viele Inhalte, die im deutschen Studium so nicht vorkommen (können). Vielleicht ist es aber noch wichtiger, was ich anderes gelernt habe: und das ist eine menschliche Perspektive. Zum einen habe ich viel über mich selber gelernt – dann aber auch über die verschiedensten Menschen hier im Lande. Und viel gelernt habe ich über meine Kommilitonen, die mir zu Freunden geworden sind. Vielleicht stimmt es, dass wir einen großen Krach gebraucht hätten. Der kam aber nicht. Fabian meinte, er würde unser Studienjahr mit dem Begriff „rücksichtsvoll“ beschreiben. Unrecht hat er damit nicht. Unsere gegenseitige Rücksichtsnahme hat vielleicht verhindert, dass wir uns richtig streiten konnten, dass manche Themen nicht so intensiv diskutiert worden sind, wie sie es eigentlich verlangt hätten. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Studienjährler lange nicht so gut kennengelernt habe wie sie es verdient hätten. Und dennoch sind unsere Gespräche nie nur oberflächlich gewesen. Denn was ich auch gemerkt habe: Ich muss nicht alles von meinem Gegenüber wissen, um mit ihm über Gott und die Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, sprechen zu können. Und insofern denke ich doch, dass wir einander sehr gut kennengelernt haben – nur anders und auf andere Art intensiver, als man es für gewöhnlich tut. Wir waren – und sind es immer noch – ein Studienjahr, das gemeinsam gelernt und gebet hat, das gemeinsam Spaß hatte, gefeiert und gelacht hat. Und in dem ich mich zu jeder Zeit aufgehoben und vollkommen angenommen und akzeptiert gefühlt habe, genau so, wie ich bin. Das ist die vielleicht wundervollste Erfahrung dieser vergangenen Monate.

Als ich gestern Abend auf der Dachterrasse stand, da begann es leicht zu regnen. In Deutschland hätte ich mich vermutlich über das Wetter aufgeregt. Nachdem ich aber acht Monate in Israel leben durfte, ist mir bewusst geworden, wie dumm es von uns ist, sich über Regen zu beschweren: Hier, in dem Wüstenland, merkt man noch die Bedeutung des Regens, der tatsächlich ein Segen ist und nach welchem sich ein ganzes Jahr lang gesehnt wird, weil er Existenzsicherung bedeutet. Solche „Kleinigkeiten“ habe ich hier verstanden. Vielleicht gelingt es mir ja, diese neuen Blickwinkel mit nach Deutschland zu nehmen.

In "Exkursionsgang 2" ging es den Tel hinauf.

In „Exkursionsgang 2“ ging es den Tel hinauf.

Die letzten archäologischen Betrachtungen des Studienjahrs: War es nun Eisenzeit oder Bronzezeit?

Die letzten archäologischen Betrachtungen des Studienjahrs: War es nun Eisenzeit oder Bronzezeit?

Nach den Tagen in Bet Gemal hieß es dann noch einmal in den Exkursionsmodus zu schalten, es ging zum zweiten Mal mit Prof. Lehmann in die Schefela. Allerdings bin ich nach der Hälfte dann mit dem Auto schon wieder nach Jerusalem gefahren, weil ich die Bergerklimmung mit meinem Fuß noch nicht mitmachen konnte. Da ich aber sowieso von unserer Assistentin erfahren habe, dass mein Blog archäologisch zu wenig anspruchsvoll sei, denke ich, es ist nicht weiter schlimm, wenn ich hier auf archäologische Ausführungen verzichte. Des Weiteren tut es mir sehr Leid, wenn ich Euch Bloglesern nicht genug über alte Steine erzählt habe. Wer gerne Bilder und Erläuterungen von Sechskammertoren, Säulenkapitellen und wegerodierten Mauern wünscht, der ist hier wohl nicht ganz auf seine Kosten gekommen. Vielleicht findet sich ja im nächsten Studienjahr ein engagierter Archäologe, der mehr darüber berichtet. Ansonsten verweise ich auch gerne noch mal auf Francas Blog, ich glaube, die war da auch etwas ausführlicher in ihrer Berichterstattung.

Vergangene Woche fand die akademische Verabschiedung unserer Studiendekanin Prof. Sr. Margareta Gruber osf statt, die als erste Lehrstuhlinhaberin des Laurentius-Klein-Lehrstuhls nach vier Jahren nun auch wieder nach Deutschland zurückkehrt  - ein wirklich gelungener und schöner Abend!

Vergangene Woche fand die akademische Verabschiedung unserer Studiendekanin Prof. Sr. Margareta Gruber osf statt, die als erste Lehrstuhlinhaberin des Laurentius-Klein-Lehrstuhls nach vier Jahren nun auch wieder nach Deutschland zurückkehrt – ein wirklich gelungener und schöner Abend!

Guido hatte mit seinem Statement ganz recht: wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, dass Deutschland auch schön ist Und dass es auch schön ist, Familie und Freunde wiederzusehen. Bei allem Abschiedsschmerz dürfen wir das nicht vergessen. Daran versuche ich mich jetzt festzuhalten.

An unserem letzten Abend in Bet Gemal wurde gefeiert: Mit Gitarre, Musik, Gesang, Tanz und Wasserpfeife – so, wie wir es die letzten Monate zu tun pflegten. Deswegen kann ich heute zum Schluss nur sagen: Tanze Samba mit mir, tanze Samba die ganze Nacht – weil die Samba so glücklich macht!

2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel (Ps 138,2)

Das Tempelareal in Jerusalem sorgt seit jeher für große Unruhen. Wenn man in den Ausgrabungen der Davidstadt steht, also quasi dem ganz ursprünglichen Teil von Jerusalem, der außerhalb der heutigen Altstadtmauer liegt (man möge sich an einen Blogeintrag aus dem vergangenen Jahr erinnern), dann kann man hoch blicken und erkennt das Plateau, auf dem heute Al-Aqsa Moschee und Felsendom stehen. Von hier aus wird verständlich, warum in den Psalmen davon gesprochen wird, dass man zum Tempel „hinaufzieht“. 587 v.Chr. wurde der erste jüdische Tempel, auch der „salomonische Tempel“ genannt, von den Babyloniern zerstört. Als die Juden aus dem babylonischen Exil zurückkehrten, erbauten sie einen Zweiten Tempel. Diesen baute König Herodes (ich denke, der ist ein Begriff) dann noch einmal um: der herodianische Tempel muss ein beeindruckender Bau gewesen sein. Man sieht heute noch einige wenige steinige Überreste, die aber davon zeugen, um was für Größenverhältnisse es sich hier gehandelt haben muss. Doch auch dieser Tempel wurde im jüdischen Krieg 70 n.Chr. komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Das einzige, was den Juden von ihrem Tempel geblieben ist, ist die Westmauer des Tempels (das ist also dieses große Mauerstück unterhalb der goldenen Kuppel, was sich teilweise hinter den Bäumen versteckt). An der auch "Klagemauer" genannten Westseite kommt man zum Gebet zusammen - sie ist der heiligste Ort für das Judentum.

Das einzige, was den Juden von ihrem Tempel geblieben ist, ist die Westmauer des Tempels (das ist also dieses große Mauerstück unterhalb der goldenen Kuppel, was sich teilweise hinter den Bäumen versteckt). An der auch „Klagemauer“ genannten Westseite kommt man zum Gebet zusammen – sie ist der heiligste Ort für das Judentum.

Mittlerweile stehen auf dem Tempelberg zwei muslimische Heiligtümer – man kann sich vorstellen, dass das immer wieder für große Reibereien sorgt zwischen Juden und Muslime. Denn es gibt tatsächlich einige Juden, die gerne einen dritten Tempel errichten würden. Die haben auch schon alles geplant – den Bau sowieso, Priestergewänder gibt es und Anleitung für die Darbringung der Tieropfer – die Infos findet man in einschlägigen Shops in der Altstadt.

Das Areal ist aber schon seit ziemlich langer Zeit belegt und ich schätze auch mal, dass das vorerst so bleiben wird. Für die Muslime befinden sich hier gleich zwei bedeutende Stätten, wobei man die eine immer viel weniger wahrnimmt:

Die Al-Aqsa Moschee ist nach Mekka und Medina die drittwichtigste Heilige Stätte des Islam.

Die Al-Aqsa Moschee ist nach Mekka und Medina die drittwichtigste Heilige Stätte des Islam.

Der vielleicht prächtigste Bau Jerusalems ist der Felsendom.

Der vielleicht prächtigste Bau Jerusalems ist der Felsendom.

Die al-Aqsa Moschee sieht von ferne erst einmal nicht so beeindruckend aus. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man, wie herrlich auch hier gebaut wurde. Nicht-Muslimen ist der Eintritt in die Moschee aber nur mit Sondererlaubnis gestattet. Die hatte unser Studienjahr im Januar – das war allerdings wenige Tage nach meinem Knöchelbruch, so dass ich dort nicht mitkonnte. Leider.

Das Hauptportal, das zur Moschee hineinführt.

Das Hauptportal, das zur Moschee hineinführt.

Und noch einmal von etwas weiter weg.

Und noch einmal von etwas weiter weg.

Der Felsendom, auch „Kettendom“ genannt, ist, was man oft nicht erwartet, keine Moschee. Er ist im Grunde eine prächtige Überdachung, also ein Kuppelbau, für den Felsen, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte, bevor Gott ihn im letzten Augenblick davon abgehalten haben soll. Auch soll der Prophet Mohammed hier seine nächtliche Himmelfahrt angetreten haben – vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass ich davon in einem meiner ersten Blogeinträge berichtet hatte.

Der Worte seien nun genug gewechselt, denn sonst bekomme ich wieder Ärger mit meiner besten Freundin.

Felsendom I Felsendom II Felsendom III Felsendom IV Felsendom V Studienjährlerinnen vor Felsendom nochmal der Felsendom

Wir machen uns gleich auf den Weg zu unserem Abschlusswochenende. Vorher aber ist noch großes Hochamt: Wir feiern das Fest des Heimgangs von Benedikt, dem Ordensgründer unserer lieben Mönche. Deswegen muss ich jetzt auch schnell zum Einsingen in die Abtei springen. Und wer sich noch anhören möchte, wie der Muezzin fünfmal täglich in Jerusalem ruft, der möge dies unter folgendem Linke tun:

 

 

 

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein