O wahrhaft selige Nacht

die Himmel und Erde versöhnt, die Gott und Menschen verbindet!

Es gibt einige (vertonte) Texte in unserer Kirche, die einfach nur wunderschön sind und die in ihrer Poesie und Aussagekraft eigentlich alles übersteigen: Das sind für mich zum einen die eucharistischen Hymnen des Thomas von Aquin und zum anderen das Exultet der Osternacht. Bisher durfte ich Ostern entweder im Hohen Dom zu Köln oder in Cuxhaven an der Nordsee erleben – an beiden Orten hat es mir immer ausnahmslos gut gefallen. Doch das, was ich in diesen Tagen in Jerusalem erleben durfte (und noch immer darf), kann zweifelsfrei als schönstes und bewegenstes Osterfest meines bisherigen Lebens gelten.

Bei strahlendem Sonnenschein - nein, wir haben kein deutsches, kaltes und ungemütliches Wetter - wurden die Ostereier im Garten eingefärbt.

Bei strahlendem Sonnenschein – nein, wir haben kein deutsches, kaltes und ungemütliches Wetter – wurden die Ostereier im Garten eingefärbt.

Wie vermutlich vielen Studienjährlern hat es mir schlichtweg die Sprache verschlagen. Die vergangenen Tage waren anstrengend und intensiv und haben auch gerade stimmlich durchaus herausgefordert – schließlich gab es viel zu singen.  Aber es war mir vergönnt, die Heilige Woche und insbesondere das Triduum Paschale so intensiv zu erleben, dass ich es wirklich nicht in Worte fassen kann. Da waren zum einen die Gottesdienste, Stundengebete und Trauermetten in der Dormitio, die unglaublich stimmig waren und einen großen Bogen gespannt haben zur Osternacht hin. Zum anderen war auch in der Stadt ständig irgendwo etwas los. Ich bin jeden Tag in die Grabeskirche gegangen und habe mich dort einfach einige Zeit aufgehalten.

Zum Ende der Karfreitagsliturgie fand die Grablegung statt - alle Gebetszeiten fanden nun in der Krypta statt.

Zum Ende der Karfreitagsliturgie fand in der Dormitio die Grablegung statt – alle Gebetszeiten waren nun in der Krypta.

Die Feier der Osternacht begann morgens um 3 Uhr und hat mich tief berührt. Als wir nach dem Gottesdienst mit der Schola oben auf der Orgelempore standen, da flossen bei einigen durchaus ein paar Tränchen – und ich habe mir gedacht: Wie soll ich denn noch mal wo anders Ostern feiern? Ich habe das dumpfe Gefühl, dass es mich spätestens in der Osterzeit immer wieder nach Jerusalem verschlagen wird…

Die Dormitio morgens um kurz vor drei: Dunkel wars, der Mond schien helle... (Foto: Kathy Saphir)

Die Dormitio morgens um kurz vor drei: Dunkel wars, der Mond schien helle… (Foto: Kathy Saphir)

Die Osterkerze wird von Abt Gregory gesegnet... (Foto: Dormitio)

Die Osterkerze wird von Abt Gregory gesegnet… (Foto: Dormitio)

Abt Gregory entzündet die Osterkerze (Foto: Dormitio)

… und entzündet. (Foto: Dormitio)

Nach dem Osterfeuer prozessierten wir in die Kirche, wo der Lesegottesdienst begann. (Foto: Dormitio)

Nach dem Osterfeuer prozessierten wir in die Kirche, wo der Lesegottesdienst begann. (Foto: Dormitio)

(Foto: Kathy Saphir)

(Foto: Kathy Saphir)

Die Feier der Eucharistie (Foto: Dormitio)

Die Feier der Eucharistie (Foto: Dormitio)

(Foto: Dormitio)

(Foto: Dormitio)

Bruder Nikodemus singt das Exultet. (Foto: Dormitio)

Bruder Nikodemus singt das Exultet. (Foto: Dormitio)

Beleuchtete Mönche (Foto Doritio)

Beleuchtete Mönche (Foto Doritio)

Für mich das schönste Bild - ist das nicht unfassbar schön? (Foto: Kathy Saphir)

Für mich das tollste Bild – ist das nicht unfassbar schön? (Foto: Kathy Saphir)

Gleich wird das Taufwasser gesegnet. (Foto: Kathy Saphir)

Gleich wird das Taufwasser gesegnet. (Foto: Kathy Saphir)

Unsere Studentenschola (Foto: Kathy Saphir)

Unsere Studentenschola (Foto: Kathy Saphir)

Am Ostermorgen dann, wir waren alle rechtschaffen müde nach der 3 Stunden und 15 Minuten langen Osternacht, gab es erst einmal ein großes gemeinsames Osterfrühstück. Danach haben wir Studienjährer, die sich noch einigermaßen auf den Beinen halten konnten, im Garten zum Fastenbrechen getroffen: Mit einem Gläschen Wein oder einer Flasche Bier saßen wir, inklusive Professoren, morgens um 7:30 Uhr zusammen, haben viel gelacht und die Osterlieder des Gotteslobes rauf- und runtergesungen.

Um 11 Uhr war dann das Osterhochamt – zum Schluss mit Überraschung von Pater Basilius, der als Hauptzelebrant bunte Schokoladeneier beim Auszug unter seinem Messgewand hervorholte und über den Boden kullern ließ zur Freude aller Anwesenden.

Hochamt am Ostersonntag - und auf Wunsch einer einzelnen Kölnerin wurde auch "Das Grab ist leer", GL 862 (der Beweis ist auf dem Foto zu sehen!) auf die Kölner Melodie gesungen. (Foto: Kathy Saphir)

Hochamt am Ostersonntag – und auf Wunsch einer einzelnen Kölnerin wurde auch „Das Grab ist leer“, GL 862 (der Beweis ist auf dem Foto zu sehen!) auf die Kölner Melodie gesungen. (Foto: Kathy Saphir)

Die Osterkerze (Foto: Kathy Saphir)

Die Osterkerze (Foto: Kathy Saphir)

Das Osterkreuz ist nun unverhüllt. (Foto: Kathy Saphir)

Das Osterkreuz ist nun unverhüllt, das Taufwasser ist neu geweiht. (Foto: Kathy Saphir)

Die Fahnen wehen im Winde. (Foto: Kathy Saphir)

Die Fahnen wehen im Winde. (Foto: Kathy Saphir)

Und dann war es auch schon Zeit für das große österliche Mittagessen, bei dem wir es uns haben gut gehen lassen:

Ostertafel

Osteressen

Im Kopf geblieben ist mir die Predigt vom Ostersonntag: „Was, wenn es wahr wäre? – Es ist wahr!“

Er ist wahrhaftig auferstanden!

CHRISTUS IST AUFERSTANDEN! ER IST WAHRHAFTIG AUFERSTANDEN! HALLELUJA!

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

3 Antworten zu “O wahrhaft selige Nacht

  1. Walther Lipphardt

    Vielen Dank Annika Schmitz für Ihren wunderbaren Bericht.

    Es mag blöd klingen: für diese Ostererfahrung, die man so nur nach dem Mit-Hinabsteigen und in einer solchen Gemeinschaft erleben kann, kann ich Sie und Ihre Mitstudierenden nur ganz besonders beglückwünschen. Und … dass sie lange, sehr lange anhält, was ich, wie sie es versuchen zu beschrieben (kann man das überhaupt?), auch glaube.
    Wenn man dieses Ostern so nicht mehr erleben kann und darf, hört das Brennen in einem nicht mehr auf.

    Wir wünschen Ihnen und allen, die bei Euch sind noch gesegnete Ostertage und die Freude, die einen sagen lässt: Brannte nicht unser Herz?! Shalom

  2. monika

    Liebe Annika,

    das Studienjahr neigt sich dem Ende zu. Ich habe immer wieder gerne Deine Einträge gelesen – auch und besonders die zur Karwoche und Ostern!

    Mir, die ich jüdische Vorfahren habe, ist Israel ans Herz gewachsen. Nichtsdestotrotz sehe ich auch das Leid der Palästinenser im Besetzten Gebiet, aber auch in Israel.

    Ihr Singen in der Abtei hat mich sehr berührt. Mit Frauen, die liturgischen Gesang anstimmen, habe ich so meine Schwierigkeiten. (Urerlebnis im Kloster Steinfeld … – da haben viele alte Schwester u. a. für die „abwesenden Brüder“ gebetet …).

    Ich wünsche Dir und allen Studenjährlern, dass Ihr – mit Tränen zwar, aber auch mit vielen, vielen guten Erlebnissen und Erfahrungen zurück nach Deutschland kommt. Und noch immer: Zieht Euch warm an!!!

    Liebe Grüße in’s Heilige (unheilige) Land,

    Monika

    • Liebe Monika,

      zuerst einmal ein herzlicher Dank! Ich habe es schön öfters gesagt, aber es ist doch immer wieder schön zu hören, dass dieser Blog auch gerne gelesen wird.

      Auch für den Kommentar über mein Geträller möchte ich mich herzlich bedanken. Ich verstehe ein generelles Misstrauen gegen Frauenstimmen, die Gregorianik singen, sehr gut – umso mehr freut es mich, dass ich hier in der Abtei mitwirken darf und das, was dabei herauskommt, auch gefällt.

      Den Ambivalenzen dieses Landes begegne ich tagtäglich. Und es ist mir noch nicht gelungen, sie in ein stimmiges Gesamtkonzept zu bringen. Vermutlich ist das auch unmöglich…

      Die letzten Tage in Jerusalem genießen wir alle ganz intensiv, auch wenn so manche Abschiedstränen den Blick doch auch jetzt schon verschleiern. Und das kalte Deutschland können wir uns unter der strahlenden orientalischen Sonne noch so gar nicht vorstellen.

      Viele liebe Grüße vom Zion!

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