Ecce lignum Crucis, in quo salus mundi pepéndit

Seht das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen – Kommt, lasset uns anbeten!

Es ist der Abend des Karsamstags und wir befinden uns nur wenige Stunden entfernt von der Osternacht, in der unser Kirchenjahr seinen absoluten Höhepunkt findet. Nun komme ich endlich dazu, den lange angekündigten Beitrag über die Grabeskirche zu veröffentlichen.

Die Grabeskirche ist vielleicht der prominenteste Ort der Christenheit. Ihr Baubeginn war im Jahr 326 und sie wurde vielfach erweitert und ausgebaut, mitunter sogar durch einen Brand schwer beschädigt. Sie soll erbaut worden sein auf dem Felsen Golgotha, wo Jesus Christus gekreuzigt wurde. Ob es sich bei dem Felsen, der sich heute im Inneren der Kirche befindet, tatsächlich um Golgotha handelt, ist umstritten, aber zumindest auch nicht ganz abwegig.

Die Grabeskirche beherbergt die letzten Stationen der Via Dolorosa, des Leidensweges Christi. So werden hier zum Beispiel die Stelle der Kreuzigung, der Ort der Salbung von Christi Leichnam und natürlich das Heilige Grab verehrt.

Ich persönlich habe durchaus meine Schwierigkeiten mit dieser Kirche. Zum einen ist sie touristisch oft absolut überlaufen, von Andacht keine Spur. Zum anderen befinden sich in ihr sechs christliche Konfessionen, die die Anwesenheit des anderen mehr oder auch weniger akzeptieren – ständige Streiterein sind inbegriffen. Und so zeigt mir diese Kirche an dem für uns Christen doch eigentlich entscheidensten Ort überhaupt eher die Zerstrittenheit des Christentums als seine Einheit – was ich besonders hier immer als sehr schmerzhaft empfinde.

Allerdings habe ich in den letzten Monaten die Grabeskirche auch zu schätzen gelernt. Gerade in den Randstunden findet man hier auch Ruhe. Schon zweimal durfte ich an einer Messe im Heiligen Grab teilnehmen – das sind ganz besondere Augenblicke, in denen es still wird und die ich durchaus als Höhepunkte meiner Zeit in Jerusalem bewerten würde. Ja, es ist der Ort, an dem Jesus Christus auferstanden ist – und trotz all der Dinge, die oft gegen die Grabeskirche sprechen mögen, so berührt sie mich ja doch irgendwie immer aufs Neue.

Über zwei Eingänge erreicht man den Vorplatz zur Grabeskirche - eine weitere Alternative ist der Zugang über das Dach. Durch eine Kapelle kommt man auch auf diesem Wege zum Vorplatz.

Über zwei Eingänge erreicht man den Vorplatz zur Grabeskirche – eine weitere Alternative ist der Zugang über das Dach. Durch eine Kapelle kommt man auch auf diesem Wege zum Vorplatz.

Die Grabeskirche von außen - wer wissen will, was es mit der Leiter am Fenster zu tun hat: seit 1852 herrscht der status quo, was bedeutet, dass an der Kirche nichts mehr verändert werden darf, um Streitigkeiten vorzubeugen. Das hat auch zur Folge, dass diese Leiter, die aufgrund von Renovierungszwecken dort gestanden haben soll, nicht entfernt werden darf. Übrigens liegt die Schlüsselgewalt der Kirche in den Händen zweier muslimischer Familien. Denn die Christen können sich ja nicht einigen.

Die Grabeskirche von außen – wer wissen will, was es mit der Leiter am Fenster auf sich hat: seit 1852 herrscht der status quo, was bedeutet, dass an der Kirche nichts mehr verändert werden darf, um Streitigkeiten vorzubeugen. Das hat auch zur Folge, dass diese Leiter, die aufgrund von Renovierungszwecken dort gestanden haben soll, nicht entfernt werden darf. Übrigens liegt die Schlüsselgewalt der Kirche in den Händen zweier muslimischer Familien. Denn die Christen können sich ja nicht einigen.

Das Heilige Grab wird tagsüber von Touristen nur so überströmt, dass man eigentlich kaum Zeit zur Anbetung findet. Dahingegen tuen die Messen innerhalb des Grabes richtig gut - nur wenige Menschen passen hier herein, es wird dann ganz still und untouristisch.

Das Heilige Grab wird tagsüber von Touristen nur so überströmt, so dass man eigentlich kaum Zeit zur Anbetung findet. Dahingegen tuen die Messen innerhalb des Grabes richtig gut – nur wenige Menschen passen hier herein, es wird dann ganz still und untouristisch.

Auch der Salbstein ist eine beliebte Touristenattraktion im Sinne einer Berührungsreliquie: alle möglichen Gegenstände werden hier drüber gezogen und dann quasi "geheiligt" mit nach Hause genommen.

Auch der Salbstein ist eine beliebte Touristenattraktion im Sinne einer Berührungsreliquie: alle möglichen Gegenstände werden hier drüber gezogen und dann quasi „geheiligt“ mit nach Hause genommen.

Und so sieht diese Aktion dann aus...

Und so sieht diese Aktion dann aus…

An diesem Ort soll Jesus Christus gekreuzigt worden sein.

An diesem Ort soll Jesus Christus gekreuzigt worden sein.

Auch wenn die Orthodoxen erst Anfang Mai Ostern feiern, so war Jerusalem in diesen Tagen dennoch von mehr als genug Pilgern gefüllt, die das Triduum Paschale, also die drei heiligen Tage, vor Ort begehen wollten. Und so fanden unzählige Prozessionen, Messfeiern, Andachten und manchmal auch skurrile Rituale statt – in Jerusalem kulminiert eben alles. Diese Vielfalt wird in der Grabeskirche bestens abgebildet: überall sind kleine Seitenältare, Bilder, Kreuze und und und, die von den verschiedensten Traditionen zeugen.

Grabeskirche I

Grabeskirche II

Grabeskirche III

Grabeskirche IV

Grabeskirche VI

Grabeskirche VIII

Grabeskirche IX

Grabeskirche X

Grabeskirche XI

Übrigens: Bei den Orthodoxen heißt die Grabeskirche Anastasis, zu deutsch „Auferstehungskirche“. Das ist eine theologische Implikation, die meines Erachtens viel deutlicher macht worum es an diesem Ort geht. In der Dormitio werden wir, nur einige hundert Meter vom Ort des leeren Grabes entfernt, in wenigen Stunden (um genau zu sein: um 3 Uhr morgens) die Auferstehung unseres Herrn feiern. Ich freue mich drauf!

Popule meus, quid feci tibi? Aut in quo contristavi te? Responde mihi. Quia eduxi te de terra Aegypti: parasti Crucem Salvatori tuo.

Mein Volk, was habe ich Dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Aus der Knechtschaft Ägyptens habe ich dich herausgeführt. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erlöser.

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