Liebe, Liebe, Liebelei, morgen ist sie vielleicht vorbei

Tanze Samba mit mir, Samba, Samba die ganze Nacht!

Gestern sind wir zurückgekehrt vom Abschluss- und Reflexionswochenende in Bet Gemal und von unserer letzten Exkursion. Am Donnerstag, dem Hochfest des Heimgang Benedikts, kam ein letztes Mal der Bus von Sindbad vors Beit Joseph um eine Horde gut gelaunter Studienjährler abzuholen. Im Bus dann teilten uns unsere Assistenten mit, dass wir nun erst einmal entführt werden würden – eine unangekündigte Exkursion stand auf dem Plan. Es ging nach Beit Guvrin, zu den Überresten der alten jüdischen Stadt Maresha aus dem Königreich Juda und einer nachfolgenden römischen Stadt. Die Ortsführung hatten unsere Assistenten sehr amüsant in Reimform gebracht, was für viel Lachen sorgte.

Studienjährler auf Erkundungstour in einem alten Wohnhaus.

Studienjährler auf Erkundungstour in einem alten Wohnhaus.

Besonders beeindruckend waren die alten Grabkammern mit ihren Wandbemalungen:

Grabkammer Der Elefant der Schlange geht's an den Kragen Grabkammer Ausgang

Dann stand noch ein Stop beim Amphitheater an, das sehr gut erhalten ist. Aber das war nicht die eigentliche Überraschung. Nein, unsere Assistenten überraschten uns mit einem Sektempfang in den Ruinen – so kann ein letztes Exkursionswochenende beginnen!

Sara, Sekt und ich im Amphitheater.

Sara, Sekt und ich im Amphitheater.

Nun ging es aber wirklich nach Bet Gemal. In einem ehemaligen Waisenhaus bezogen wir Quartier. Ebenfalls mit auf dem Grundstück befinden sich zwei Orden: eine Männerkongregation der Salesianer und ein relativ neuer Frauenorden, die genau wie die Kartäuser ganz klausuriert leben – ihre beeindruckende Liturgie konnten wir von der Besucherempore mitverfolgen. Landschaftlich liegt das Haus wunderschön, leider ist in den letzten Jahren ganz in der Nähe eine große Siedlung entstanden, die die Schönheit der Landschaft untergräbt…

Unsere Wohnstätte (Foto: Tobias Stäbler)

Unsere Wohnstätte (Foto: Tobias Stäbler)

Als wir unsere Zimmer bezogen, gab es für die Herren erst einmal einen kleinen Schock: 14 Mann in einem Schlafsaal! Wir sieben Mädels waren auf zwei frisch renovierte Zimmer mit großem Bad aufgeteilt worden. Irgendwie herrschte bei den Herren dennoch eine Stimmung zwischen Verzweifelung und Amüsement. Überlebt haben es aber dennoch alle. Und mal ganz ehrlich, wann hat man schon mal die Gelegenheit in solchen Sälen zu nächtigen, die wir sonst nur aus alten Filmen kennen? Außerdem war das Essen fantastisch – mit hervorragender italienischer Küche wurden wir verwöhnt. Und der aufziehende Sandsturm sorgte zuerst für eine große Hitze, die dann schnell umschlug, als alles gelb, sandig und kalt wurde und die Sicht unter 50 m lag.

Das Bild zeigt ja nur die Hälfte des Raumes - übrigens war es innerhalb des Gebäudes ziemlich, ziemlich kalt - draußen dafür umso wärmer!

Das Bild zeigt nur die Hälfte des Raumes – übrigens war es innerhalb des Gebäudes ziemlich, ziemlich kalt – draußen dafür umso wärmer! (Foto: Tobias Stäbler)

Die Generation Laptop im Kloster.

Die Generation Laptop im Kloster.

Eigentlich wollten wir alle noch nicht reflexieren. Aber es war eine wichtige Sache. Über viele Dinge bin ich mir klar geworden. Was hat das Studienjahr für mich bedeutet? Da ist natürlich der akademische Teil. Was ich hier wissenschaftlich gelernt habe, das dürfte enorm sein: neue theologische Schwerpunkte und Akzente, neue Perspektiven und andere Blickwinkel, viele Inhalte, die im deutschen Studium so nicht vorkommen (können). Vielleicht ist es aber noch wichtiger, was ich anderes gelernt habe: und das ist eine menschliche Perspektive. Zum einen habe ich viel über mich selber gelernt – dann aber auch über die verschiedensten Menschen hier im Lande. Und viel gelernt habe ich über meine Kommilitonen, die mir zu Freunden geworden sind. Vielleicht stimmt es, dass wir einen großen Krach gebraucht hätten. Der kam aber nicht. Fabian meinte, er würde unser Studienjahr mit dem Begriff „rücksichtsvoll“ beschreiben. Unrecht hat er damit nicht. Unsere gegenseitige Rücksichtsnahme hat vielleicht verhindert, dass wir uns richtig streiten konnten, dass manche Themen nicht so intensiv diskutiert worden sind, wie sie es eigentlich verlangt hätten. Mir ist bewusst geworden, dass ich viele Studienjährler lange nicht so gut kennengelernt habe wie sie es verdient hätten. Und dennoch sind unsere Gespräche nie nur oberflächlich gewesen. Denn was ich auch gemerkt habe: Ich muss nicht alles von meinem Gegenüber wissen, um mit ihm über Gott und die Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, sprechen zu können. Und insofern denke ich doch, dass wir einander sehr gut kennengelernt haben – nur anders und auf andere Art intensiver, als man es für gewöhnlich tut. Wir waren – und sind es immer noch – ein Studienjahr, das gemeinsam gelernt und gebet hat, das gemeinsam Spaß hatte, gefeiert und gelacht hat. Und in dem ich mich zu jeder Zeit aufgehoben und vollkommen angenommen und akzeptiert gefühlt habe, genau so, wie ich bin. Das ist die vielleicht wundervollste Erfahrung dieser vergangenen Monate.

Als ich gestern Abend auf der Dachterrasse stand, da begann es leicht zu regnen. In Deutschland hätte ich mich vermutlich über das Wetter aufgeregt. Nachdem ich aber acht Monate in Israel leben durfte, ist mir bewusst geworden, wie dumm es von uns ist, sich über Regen zu beschweren: Hier, in dem Wüstenland, merkt man noch die Bedeutung des Regens, der tatsächlich ein Segen ist und nach welchem sich ein ganzes Jahr lang gesehnt wird, weil er Existenzsicherung bedeutet. Solche „Kleinigkeiten“ habe ich hier verstanden. Vielleicht gelingt es mir ja, diese neuen Blickwinkel mit nach Deutschland zu nehmen.

In "Exkursionsgang 2" ging es den Tel hinauf.

In „Exkursionsgang 2“ ging es den Tel hinauf.

Die letzten archäologischen Betrachtungen des Studienjahrs: War es nun Eisenzeit oder Bronzezeit?

Die letzten archäologischen Betrachtungen des Studienjahrs: War es nun Eisenzeit oder Bronzezeit?

Nach den Tagen in Bet Gemal hieß es dann noch einmal in den Exkursionsmodus zu schalten, es ging zum zweiten Mal mit Prof. Lehmann in die Schefela. Allerdings bin ich nach der Hälfte dann mit dem Auto schon wieder nach Jerusalem gefahren, weil ich die Bergerklimmung mit meinem Fuß noch nicht mitmachen konnte. Da ich aber sowieso von unserer Assistentin erfahren habe, dass mein Blog archäologisch zu wenig anspruchsvoll sei, denke ich, es ist nicht weiter schlimm, wenn ich hier auf archäologische Ausführungen verzichte. Des Weiteren tut es mir sehr Leid, wenn ich Euch Bloglesern nicht genug über alte Steine erzählt habe. Wer gerne Bilder und Erläuterungen von Sechskammertoren, Säulenkapitellen und wegerodierten Mauern wünscht, der ist hier wohl nicht ganz auf seine Kosten gekommen. Vielleicht findet sich ja im nächsten Studienjahr ein engagierter Archäologe, der mehr darüber berichtet. Ansonsten verweise ich auch gerne noch mal auf Francas Blog, ich glaube, die war da auch etwas ausführlicher in ihrer Berichterstattung.

Vergangene Woche fand die akademische Verabschiedung unserer Studiendekanin Prof. Sr. Margareta Gruber osf statt, die als erste Lehrstuhlinhaberin des Laurentius-Klein-Lehrstuhls nach vier Jahren nun auch wieder nach Deutschland zurückkehrt  - ein wirklich gelungener und schöner Abend!

Vergangene Woche fand die akademische Verabschiedung unserer Studiendekanin Prof. Sr. Margareta Gruber osf statt, die als erste Lehrstuhlinhaberin des Laurentius-Klein-Lehrstuhls nach vier Jahren nun auch wieder nach Deutschland zurückkehrt – ein wirklich gelungener und schöner Abend!

Guido hatte mit seinem Statement ganz recht: wir dürfen nicht aus dem Blick verlieren, dass Deutschland auch schön ist Und dass es auch schön ist, Familie und Freunde wiederzusehen. Bei allem Abschiedsschmerz dürfen wir das nicht vergessen. Daran versuche ich mich jetzt festzuhalten.

An unserem letzten Abend in Bet Gemal wurde gefeiert: Mit Gitarre, Musik, Gesang, Tanz und Wasserpfeife – so, wie wir es die letzten Monate zu tun pflegten. Deswegen kann ich heute zum Schluss nur sagen: Tanze Samba mit mir, tanze Samba die ganze Nacht – weil die Samba so glücklich macht!

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

2 Antworten zu “Liebe, Liebe, Liebelei, morgen ist sie vielleicht vorbei

  1. Hannah

    Ich mag Guido und was er sagt 🙂

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