Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel (Ps 138,2)

Das Tempelareal in Jerusalem sorgt seit jeher für große Unruhen. Wenn man in den Ausgrabungen der Davidstadt steht, also quasi dem ganz ursprünglichen Teil von Jerusalem, der außerhalb der heutigen Altstadtmauer liegt (man möge sich an einen Blogeintrag aus dem vergangenen Jahr erinnern), dann kann man hoch blicken und erkennt das Plateau, auf dem heute Al-Aqsa Moschee und Felsendom stehen. Von hier aus wird verständlich, warum in den Psalmen davon gesprochen wird, dass man zum Tempel „hinaufzieht“. 587 v.Chr. wurde der erste jüdische Tempel, auch der „salomonische Tempel“ genannt, von den Babyloniern zerstört. Als die Juden aus dem babylonischen Exil zurückkehrten, erbauten sie einen Zweiten Tempel. Diesen baute König Herodes (ich denke, der ist ein Begriff) dann noch einmal um: der herodianische Tempel muss ein beeindruckender Bau gewesen sein. Man sieht heute noch einige wenige steinige Überreste, die aber davon zeugen, um was für Größenverhältnisse es sich hier gehandelt haben muss. Doch auch dieser Tempel wurde im jüdischen Krieg 70 n.Chr. komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Das einzige, was den Juden von ihrem Tempel geblieben ist, ist die Westmauer des Tempels (das ist also dieses große Mauerstück unterhalb der goldenen Kuppel, was sich teilweise hinter den Bäumen versteckt). An der auch "Klagemauer" genannten Westseite kommt man zum Gebet zusammen - sie ist der heiligste Ort für das Judentum.

Das einzige, was den Juden von ihrem Tempel geblieben ist, ist die Westmauer des Tempels (das ist also dieses große Mauerstück unterhalb der goldenen Kuppel, was sich teilweise hinter den Bäumen versteckt). An der auch „Klagemauer“ genannten Westseite kommt man zum Gebet zusammen – sie ist der heiligste Ort für das Judentum.

Mittlerweile stehen auf dem Tempelberg zwei muslimische Heiligtümer – man kann sich vorstellen, dass das immer wieder für große Reibereien sorgt zwischen Juden und Muslime. Denn es gibt tatsächlich einige Juden, die gerne einen dritten Tempel errichten würden. Die haben auch schon alles geplant – den Bau sowieso, Priestergewänder gibt es und Anleitung für die Darbringung der Tieropfer – die Infos findet man in einschlägigen Shops in der Altstadt.

Das Areal ist aber schon seit ziemlich langer Zeit belegt und ich schätze auch mal, dass das vorerst so bleiben wird. Für die Muslime befinden sich hier gleich zwei bedeutende Stätten, wobei man die eine immer viel weniger wahrnimmt:

Die Al-Aqsa Moschee ist nach Mekka und Medina die drittwichtigste Heilige Stätte des Islam.

Die Al-Aqsa Moschee ist nach Mekka und Medina die drittwichtigste Heilige Stätte des Islam.

Der vielleicht prächtigste Bau Jerusalems ist der Felsendom.

Der vielleicht prächtigste Bau Jerusalems ist der Felsendom.

Die al-Aqsa Moschee sieht von ferne erst einmal nicht so beeindruckend aus. Erst bei näherem Hinsehen entdeckt man, wie herrlich auch hier gebaut wurde. Nicht-Muslimen ist der Eintritt in die Moschee aber nur mit Sondererlaubnis gestattet. Die hatte unser Studienjahr im Januar – das war allerdings wenige Tage nach meinem Knöchelbruch, so dass ich dort nicht mitkonnte. Leider.

Das Hauptportal, das zur Moschee hineinführt.

Das Hauptportal, das zur Moschee hineinführt.

Und noch einmal von etwas weiter weg.

Und noch einmal von etwas weiter weg.

Der Felsendom, auch „Kettendom“ genannt, ist, was man oft nicht erwartet, keine Moschee. Er ist im Grunde eine prächtige Überdachung, also ein Kuppelbau, für den Felsen, auf dem Abraham seinen Sohn Isaak opfern wollte, bevor Gott ihn im letzten Augenblick davon abgehalten haben soll. Auch soll der Prophet Mohammed hier seine nächtliche Himmelfahrt angetreten haben – vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass ich davon in einem meiner ersten Blogeinträge berichtet hatte.

Der Worte seien nun genug gewechselt, denn sonst bekomme ich wieder Ärger mit meiner besten Freundin.

Felsendom I Felsendom II Felsendom III Felsendom IV Felsendom V Studienjährlerinnen vor Felsendom nochmal der Felsendom

Wir machen uns gleich auf den Weg zu unserem Abschlusswochenende. Vorher aber ist noch großes Hochamt: Wir feiern das Fest des Heimgangs von Benedikt, dem Ordensgründer unserer lieben Mönche. Deswegen muss ich jetzt auch schnell zum Einsingen in die Abtei springen. Und wer sich noch anhören möchte, wie der Muezzin fünfmal täglich in Jerusalem ruft, der möge dies unter folgendem Linke tun:

 

 

 

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “Ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel (Ps 138,2)

  1. Walther Lipphardt

    wieder wunderbare Bilder, diesmal vom Tempelberg – vielen Dank
    Euch allen eine gesegnete Hl. Woche

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