How many roads must a man walk down?

Liebe Freunde der gepflegten Blogeinträge,

es geht weiter mit den beiden letzten Tagen unserer Kreuzfahrerexkursion. Die Festung Nimrod war unser erster Stop am Donnerstag Morgen. Diese arabische Festung (also nicht von den Kreuzfahrern, sondern quasi von den Gegenspielern) hatten wir schon im November oben auf dem Berg liegen gesehen als wir uns Caesarea Philippi angeschaut hatten.

Die Burg Nimrod - toller Ausblick auf die Höhen des Golans!

Die Burg Nimrod – toller Ausblick auf die Höhen des Golans!

Alte arabische Inschrift

Alte arabische Inschrift

Hier gab es viel zu entdecken: Schießscharten, Latrinen, Wachtürme, einen Geheimgang und und und. Ich laufe ja wirklich gerne durch solche alten Burgen. Da möchte ich immer gerne selber die Ritterrüstung anlegen 🙂

Nach Nimrod ging es weiter gen Safed, einer sehr jüdisch-religiösen Stadt, in der wir die Zitadelle und zwei Synagogen besichtigten. Hier soll auch eines unserer Lieblings-Schabbatlieder von Schlomo Alkabez im 16. Jahrhundert entstanden sein: und als eine amerikanische Reisegruppe vor der Synagoge begann „Lekhah Dodi“ zu singen, da bin ich einfach mit eingestiegen und hatte viel Spaß an diesem rhythmischen und fröhlichen Lied, mit dem freitags der Schabbat begrüßt wird.

Straßen von Safed....

Straßen von Safed….

safedische Zitronen

Unsere Gefühle bezüglich Safed waren gemischt, mir persönlich hat die Stadt sehr gut gefallen. Sie ist ein Hauptzentrum der Kabbala und hat ein sehr ausgeprägtes Künstlerviertel, in dem ich mich hätte ewig aufhalten können. Aber das ist eben nicht jedermanns Sache. Mit meinen Freiburger Jungs ging es dann zum Mittagessen mit landestypischen Spezialitäten, die ich eigentlich nicht mehr missen möchte. Hoffentlich finde ich in Freiburg auch guten Humus, Pita, Falaffel und Co.

Der letzte Halt des Tages war die Ankerkirche, die oberhalb von Tiberias auf dem Berg Berenike liegt und aus byzantinischer Zeit stammt. Hier fanden sich bei Ausgrabungen in den 90er Jahren wohl interessante Kultgegenstände, aber leider nicht den Palast der Helena, den auszugraben man eigentlich erhofft hatte.

Der Blick von den Überresten der Ankerkirche aus über Tiberias und den See.

Der Blick von den Überresten der Ankerkirche aus über Tiberias und den See.

Und dann war also auch schon unser letzter Abend am See Genezareth, den wir für ein großes Grillfest nutzten. Der Abend war wirklich schön, aber auch traurig, denn allen wurde bewusst, dass es der letzte Abend in Tabgha sein würde, den wir als Gruppe gemeinsam verbringen. Es tut mir sehr Leid, dass ich hier immer so sentimental werde – aber die letzten sieben Monate waren so intensiv und wundervoll, dass doch eine große Traurigkeit aufkommt und zugleich der Wille stark ist, Gruppe, Land und Leute noch einmal so intensiv wie möglich in mir aufzusaugen.

Am Freitag also mussten wir uns von Tabgha verabschieden. Ich stand noch einmal ganz früh auf und setzte mich nach Dalmanutha, der Freiluftkirche am Seeufer und schaute mir den Sonnenaufgang an und hockte mich auf einen Felsen zwischen die erwachende Klippdachsfamilie, bevor ich dann zum letzten Mal die Frühmesse in der Brotvermehrungskirche mitfeierte.

Sonnenaufgang am See noch mal Sonnenaufgang Klippdachs in Baum

Von Tabgha ging es dann nach Akko. Zuvor aber legten wir noch einen Stop am Bahai-Tempel ein. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an den Bericht aus Haifa, da haben wir ebenfalls schon mal einen Bahai-Tempel besichtigt. Der in Akko ist aber der weltweit bedeutenste und das größte Heiligtum der Bahai, weil hier auch ihr Gründer begraben liegt. Der Garten ist ja hübsch, aber generell kann ich mit diesem ganzen Harmonie-Gedanken recht wenig anfangen – besonders nach dem Gespräch mit einem Bahai ist mir das aufgefallen. Der war zwar sehr nett, aber die Ansichten kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Muss ich aber ja auch nicht.

Bahai-Garten I Bahai-Garten II

Bahai-Garten III

Dann fuhren wir aber wirklich nach Akko rein. Akko ist eine Hafenstadt am Mittelmeer mit einer großen Befestigungsanlage. Erste Besiedlungsfunde gibt es bereits aus der Bronzezeit und seitdem wurde die Stadt eigentlich ständig erobert, wieder rückerobert, zerstört, erobert etc. –> das klassische Muster dieses Landes eben. Die Stadt ist aber wirklich schön und außerdem sehr orientalisch. Uns war genug Zeit vergönnt, um durch den arabischen Suq zu streifen, auf der Befestigungsanlage herumzukraxeln und einen Kaffee mit Meerblick zu genießen.

In der Zitadelle in Akko fanden wir uns (mal wieder) für ein Gruppenbild zusammen.

In der Zitadelle in Akko fanden wir uns (mal wieder) für ein Gruppenbild zusammen.

Die gut erhaltene Karawanserei in Akko - so eine Art Herberge und Handelsplatz für die Händler des Alten Orients.

Die gut erhaltene Karawanserei in Akko – so eine Art Herberge und Handelsplatz für die Händler des Alten Orients.

Am Hafen von Akko.

Am Hafen von Akko.

Marcel-Chen und Änn-Chen in tiefandächtiger Betrachtung eines Turms in der Zitadelle.

Marcel-Chen und Änn-Chen in tiefandächtiger Betrachtung eines Turms in der Zitadelle.

Immer wieder schön: die Latrinen. Man sieht gut, dass die Geschäfte damals wohl gerne in Gemeinschaft verrichtet worden sind.

Immer wieder schön: die Latrinen. Man sieht gut, dass die Geschäfte damals wohl gerne in Gemeinschaft verrichtet worden sind.

Was ich an den Städten hier im Land ja immer besonders gerne mag, sind die Suqs. In diesem geschäftigen Treiben der orientalischen Ladenstraßen merkt man immer schnell, welches Flair die jeweilige Stadt hat. Denn die Vielfältigkeit und Individualität, aber auch die Gemeinsamkeiten der Städte spiegeln sich, so finde ich, immer im Suq wieder. Im Suq von Akko zum Beispiel gibt es unglaublich viel Fisch und viele Gewürze – es riecht hier ganz anders als zum Beispiel in einem der Suqs der Jerusalemer Altstadt.

Im Suq von Akko I Im Suq von Akko II Im Suq von Akko III

Als wir dann längst wieder im Bus saßen und kurz vor Jerusalem waren, da vermisste ich plötzlich meine Brille. Also nicht meine Sonnenbrille oder so, sondern meine gute Brille mit geschliffenen Gläsern, die eigentlich immer auf meiner Nase sitzt. Doch ich fand sie nicht. Sie fand sich nirgendwo. Irgendwann sah ich mich dann dazu gezwungen, folgenden Tathergang zu rekonstruieren: Eine leere Keksschachtel befand sich in meiner Handtasche. Meine Brille, die in der Handtasche war (und der Sonnenbrille aufgrund des guten Wetters weichen musste) rutschte in die Keksschachtel, die ich kurzerhand in einen riesigen Müllcontainer in Akko warf. Dort also hat sie nun ihr Lebensende finden müssen. Möge sie ruhen in Frieden.

Ja, es darf gelacht werden! Ich kann es ja selber kaum fassen, was ich mir hier alles leiste: An einer Kaki hab ich mir im November den Zahn durchgebrochen, es folgte eine Krone. Im Januar habe ich mir dank des Schnees den Knöchel gebrochen und krückte sechs Wochen mit Gips durchs Land. Und jetzt werfe ich also meine Brille in den Müll. Für liebevollen Spott von Studienjahrs- und Abteiseite aus ist bestens gesorgt. 🙂

Zum Ende des Berichts gilt mein Dank besonders der guten Julia, von der die meisten Bilder der letzten beiden Einträge stammen (natürlich nicht die Klippdachsbilder…) – denn mit zwei Krücken, die ich zur Stabilisierung bei längerem Laufen doch noch brauche, lässt es sich schwer fotografieren.

Im Bus

Und so nahm also Galiläa 2.0 sein Ende – die letzte große Exkursion ist vorbei und damit all die Dinge, die zu Exkursionen dazugehören: Singen im Bus stand zum Beispiel immer hoch im Kurs!

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