„Das Wichtigste sind Wir und das Jetzt und Hier

und dass wir alle hier zusammen sind – ganz egal ob das so bleibt oder auseinander reißt, es zählt jetzt nur, dass wir zusammen sind!“ – Dieses Lied von den Wise Guys ist mir seit einigen Tagen im Ohr. Galiläa die Zweite ist rum, am Freitag sind wir von der Kreuzfahrerexkursion wieder nach Jerusalem zurückgekehrt. Ich bin ein bisschen wehmütig. In Tabgha habe ich, wie vermutlich alle anderen Studienjährler auch, noch einmal besonders gespürt, dass wir uns auf das Ende des 39. Theologischen Studienjahrs zubewegen. Wir beginnen Abschied zu nehmen von einem Land, das wir zu lieben gelernt haben in all seiner unterschiedlichen Schönheit und mit all seinen Schwierigkeiten. Unsere Gruppe habe ich noch einmal stärker wahrgenommen als gewöhnlich, all die verschiedenen Charaktere, die mir so sehr ans Herz gewachsen sind und die ich eigentlich nicht missen möchte.

Doch für große sentimentale Anwandlungen ist die Zeit noch nicht gekommen. Ich versuche, jeden Augenblick zu genießen – noch mehr als sowieso in diesen unbeschreiblichen vergangenen sieben Monaten. Und deswegen ist jetzt auch Schluss mit der Melancholie und stattdessen kommt der Bericht von den Kreuzfahrern!

Nachdem ich vom Montag ja schon erzählt hatte, komme ich nun zum Dienstag. An ebendiesem Tag machten wir den ersten Halt an der Herberge zum barmherzigen Samariter. Ich denke, die Geschichte muss ich nicht erzählen – wer sie dennoch hören möchte, den verweise ich gerne auf das meistverkaufte Buch der Welt (genaue Angabe wäre dann Lk 10).

Das Museum birgt einige hübsche Mosaike in sich.

Das Museum birgt einige hübsche Mosaike in sich.

Übrigens handelte es sich in der Geschichte nicht um einen Samariter, sondern um einen Israelit. Wir denken das heute nur alle falsch, weil nämlich damals das hebräische Original (man beachte: das hebräische Original des Neuen Testaments!) inkorrekt ins Griechische übertragen worden ist. Das sagt zumindest der Infoflyer, den man am Ort des Geschehens in die Hand gedrückt bekommt. So viel einmal dazu. Wir denken uns jetzt einfach unseren Teil.

Schönes Wetter verlangt nach einer Zwergpalmenumarmung!

Schönes Wetter verlangt nach einer Zwergpalmenumarmung!

Da wir uns zwischen Jerusalem und Totem Meer befanden, sprich sich die Klimazone bereits zu ändern begann, war es recht warm. Also nix mit Schnee wie in Deutschland! Wir fuhren dann mit dem Bus eine ganze Weile weiter gen Belvoir, dort ist eine Kreuzfahrerfestung. Alles andere wäre auch komisch gewesen, schließlich befanden wir uns auf Kreuzfahrerexkursion.

So sehen also Ruinenüberreste der Kreuzfahrer aus.

So sehen also Ruinenüberreste der Kreuzfahrer aus.

Das Positive an den Kreuzfahrern ist ja, dass sie ihre Festungen immer auf Berge gebaut haben. Was wiederum bedeutet, dass man nicht nur alte Steine sieht, sondern auch noch einen schönen Ausblick hat!

Weiter ging es dann an die Hörner von Hattin (heißt so, weil die Berge aussehen wir Hörner – wer hätte es gedacht). Dort fand 1187 die große und berühmte Schlacht bei Hattin statt: Saldin kämpfte gegen Raimund von Tripolis (also nicht nur die beiden Herren, da gab es auch noch viele andere Männer) und erbeutete das Heilige Kreuz. Das 39. Studienjahr ließ es sich natürlich nicht nehmen und spielte diese Schlacht nach:

Mit dem Leben musste bei uns niemand zahlen, dafür aber mit einigen blauen Flecken.

Mit dem Leben musste bei uns niemand zahlen, dafür aber mit einigen blauen Flecken.

Der Studienpräfekt ist noch im Besitz des Heiligen Kreuzes.

Der Studienpräfekt ist noch im Besitz des Heiligen Kreuzes.

Die Leichenberge nach einer solchen Schlacht sind nicht zu verachten!

Die Leichenberge nach einer solchen Schlacht sind nicht zu verachten!

Nach diesen körperlichen Anstrengungen guckten wir noch schnell das Maimonides-Grab in Tiberias an (Maimonides war einer der bedeutensten jüdischen Gelehrten und lebte im 12. Jahrhundert) – das ist aber echt nicht so hübsch und deswegen gibt es auch kein Foto. Im Anschluss daran konnten wir dann Quartier in Tabgha beziehen: Mein Zimmer „Gelb“ fand sich in bewährter Viererkonstellation wieder zusammen und gemeinsam wehrten wir uns gegen die über das Beit Noah hereinbrechende Mückenplage.

Am nächsten Morgen, dem Mittwoch, ging es früh um 8 Uhr los nach Bar’am. Dort steht eine verdammt gut erhaltene Synagoge aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Doch auch ansonsten ist der Ort von Bedeutung, weil hier wieder einmal der Konflikt von Israelis und Arabern nach dem Unabhängigeitskrieg zur Sprache kommen muss. Die christlichen Bewohner des Dorfes wurden vertrieben und mitunter getötet und durften bis heute, obwohl ihnen Rückkehrrecht zugesprochen wurde, nicht in ihre Häuser zurückkehren. Und so schauten wir uns nicht nur die Synagoge an, sondern lauschten auch einigen Seiten des autobiographischen Berichts eines Mannes, der die Vertreibung miterlebt hatte.

Man kann sich noch gut vorstellen, wie die Synagoge ausgesehen haben muss - und das ganz ohne Rekonstruktion!

Man kann sich noch gut vorstellen, wie die Synagoge ausgesehen haben muss – und das ganz ohne Rekonstruktion!

Danach wurde die Stimmung aber auch wieder heiterer. Unsere Studienleitung hatte für uns eine Überraschung der eher touristischen Art geplant: Wir fuhren nach Rosh HaNiqra. Dieser Ort liegt direkt am Mittelmeer und wirklich in unmittelbarer Nähe zur libanesischen Grenze. Mit einer Seilbahn fährt man an einem weißen Kreidefelsen 100 m hinunter an den Strand und kann von dort aus in alte Grotten gehen, in die das Meerwasser hineinfällt und in bunten Farben glitzert:

Rosh HaNiqra I

Rosh HaNiqra II

Rosh HaNiqra III

Doch nicht nur die Grotten sind hübsch anzuschauen, auch Meer und Kreidefelsen sind nicht zu verachten. Übrigens trennt ein Seil, was von dem Felsen ausgeht und mit einer Boje noch ein Stück ins Meer hinaus läuft, die israelisch-libanesische Grenze auch in und über dem Wasser sichtbar ab. Ob die Fische wohl einen Passierschein besitzen?

Kreidefelsen von Rosh HaNiqra - kann man sich mal anschauen!

Kreidefelsen von Rosh HaNiqra – kann man sich mal anschauen!

Die letzte Station des Tages war, wie wäre es anders zu erwarten, eine weitere Kreuzfahrerfestung. Strategisch liegt sie eigentlich recht ungeschickt, weil sie ziemlich im Niemandsland ist und auch an keiner wichtigen Handelsstraße war. Die Kreuzfahrer haben sie vermutlich bis zu ihrer Zerstörung als Rückzugsort verwendet. Da zum Erreichen der Festung eine eineinhalbstündige Wanderung angesetzt war, blieben meinem Fuß und mir nur der Blick aus der Ferne. Das war aber auch okay. Zu viel Archäologie an einem Tag kann schließlich auch negative Folgen mit sich bringen.

Mit diesem Blick auf Montfort machten wir Mittagspause, ind er es was zu essen gab? Richtig: Pita mit Humus!

Mit diesem Blick auf Montfort machten wir Mittagspause, in der es was zu essen gab? Richtig: Pita mit Humus!

Und dann saßen wir also abends wieder vorm Beit Noah versammlt und hatten grad das Abendbrot verzehrt (ich möchte betonen, dass ich an diesem Abend Teil des Kochteams war – und die Linsensuppe plus Apfelküchle haben trotz meiner Anwesenheit in der Küche gemundet!), wir hatten grad den Gesang nach dem Essen „Lobet und preiset ihr Völker den Herrn“ beendet – der letzte Ton war noch nicht verklungen, da piepste das Handy unseres Präfekten ganz laut und aufgeregt: weißer Rauch stieg aus dem vatikanischen Schornstein hervor! Und so stürmten wir die Wohnstätte der Tabgha-Volontäre und schauten bei miesester Internetverbindung aller Zeiten über Livestream zu, wie sich die Vorhänge vor der Balkontür lüfteten und es hieß: HABEMUS PAPAM! Möge unser neuer Heiliger Vater seine Kirche stets mit Gottes Segen führen.

Mit diesen Worten ende ich für heute, über Donnerstag und Freitag der Kreuzfahrerexkursion berichte ich in Kürze. Jetzt, wo das letzte Referat des Studienjahrs um ist, hab ich auch wieder Zeit für so etwas wie Blogeinträge. 🙂

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