Ein bisschen Frieden, ein bisschen träumen…

Gestern hatte ich von der Hebron-Exkursion berichtet, die aber mit dem Besuch der Stadt noch nicht abgeschlossen war. Am Nachmittag fuhr uns der Bus noch nach Susya, wo Beduinen leben. Zuvor hielten wir an einem Aussichtspunkt, von wo aus wir auf eine Siedlung und zugleich auf palästinensische kleine Dörfer gucken konnten. Hier bekamen wir eine interessante und wohl einmalige Geschichte erzählt: Die 10-15 palästinensischen Kinder wurden auf dem Weg zur arabischen Schule täglich von Siedlern angegriffen, bespuckt, mit Steinen beworfen und bedroht. Vermutlich einmalig ist es, dass das israelische Militär hier tatsächlich eingreift – und zwar für die Palästinenser: seit einiger Zeit werden die Kinder unter israelischem Militärschutz zur Schule begleitet. Es ist schlimm genug, dass egal wo auf der Welt Kinder nicht sicher zur Schule gelangen können. Aber dennoch liegt hier ein kleines, nicht zu verachtendes Zeichen vor.

Im Anschluss fuhren wir ein kurzes Stück weiter nach Susya. Hier haben Beduinen ihr Lager aufgeschlagen und werden immer wieder vertrieben. Das ist harte Realität: Immer wieder reißt israelisches Militär palästinensische Bauten ab, oft, ohne den Abriss anzukündigen – d.h., die Kinder kommen aus der Schule und haben kein zu Hause mehr…

So leben die Beduinen von Susya - das Dorf.

So leben die Beduinen von Susya – das „Dorf“.

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit lebten die Beduinen noch in Höhlen. Aus diesen wurden sie allerdings vertrieben und das Militär hat sie zugeschüttet. Nun bieten Zelte ein Dach überm Kopf.

Unten befindet sich in einer alten Höhle ein kleiner Laden.

Unten befindet sich in einer alten Höhle ein kleiner Laden.

Natürlich gibt es auch keine ausgebaute Infrastruktur, die zum Dorf führt. Deswegen krückte ich durch Wüstensand über Stock, Stein und Felsen. Im Dorf wartete dann schon mein Rollstuhl auf mich – und viele Beduinenkinder, die einen großen Spaß daran hatten zu versuchen, mich einen Berg runterzuschieben. Zum Glück war ich stärker 🙂 Mit Händen, Füßen und ein wenig Arabisch meinerseits und Englisch ihrerseits konnten wir zumindest unsere Namen erfahren.

Markus bringt einem kleinen Jungen das Radfahren bei. Ein Reifen ist allerdings platt...

Markus bringt einem kleinen Jungen das Radfahren bei. Ein Reifen ist allerdings platt…

Während Markus mit zwei Jungs Radfahren geübt hat, hat Christina mit einigen Kindern Englisch lesen gelernt. Die Menschen sind wirklich total offen, haben keine Berührungsängste – und irgendwie kommt man immer ins Gespräch.

Die Gastfreundlichkeit der arabischen Bevölkerung ist etwas, was wir immer wieder aufs Neue erfahren dürfen und für uns Deutsche ganz fremd und ungewohnt ist. Würden wir in Deutschland auf die Idee kommen, einen unbekannten Spaziergänger ganz selbstverständlich erst einmal auf Kaffee und Tee einzuladen? Ehrliches, aufrichtiges Interesse an meinem Gegenüber zu zeigen? Zu grüßen, sich einfach nur zu freuen, jemanden zu sehen? Wir Westeuropäer brüsten uns immer mit unserer Moral, unserer Kultur, unserem Wissen, unserem Staatssystem – dabei gibt so viel grundlegende Menschlichkeit, die wir erst noch erlernen müssen…

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “Ein bisschen Frieden, ein bisschen träumen…

  1. Walther Lipphardt

    Immer wieder erschüttert bei diesen Berichten und Bildern von Euch. Träume, die vlt. eher mit Tränen getränkt werden.

    Erinnert so viel an Giordanos Berichte in „Israel, um Himmels willen Israel!“ (1991)
    Gibt es seitens Israel irgend eine Erklärung, warum es diese Beduinenbehausungen immer wieder zerstören lässt? … denen m.W. auch mit dt. Hilfe ein bisschen Lebensqualität gegeben soll?
    … und dann fast unfassbar bei diesen einfachen (nichtfanatisierten) Menschen auf beiden Seiten diese menschliche Wärme

    Vielen Dank, dass Ihr dort seid und dieses für Euch einmalige Studium macht – und wir ein wenig dabei sein dürfen. Shalom

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