… hätte aber die Liebe nicht (1 Kor 13)

Als es vor drei Wochen und drei Tagen in meinem Knöchel einen Knackslaut gab, da dachte ich bei nachlassendem Scmerz: Na toll – und wovon soll ich meinen Bloglesern in den nächsten Wochen nun berichten, wenn ich doch das Haus nicht wirklich häufig verlassen kann? Die Sorge scheint mir relativ unbegründet, gibt es doch immer wieder Begebenheiten und Erlebnisse, die ich an dieser Stelle gerne loswerden möchte.

So kamen mir da auch bei der heutigen sonntäglichen Messfeier wieder Gedanken auf, als ich dem zweiten Lesungstext und der Predigt unseres Präfekten Pater Matthias lauschte: 1. Korintherbrief, Kapitel 13. Wer kennt diesen Text nicht? Er wird auf Hochzeiten ungefähr so inflationär verwendet wie zu sonstigen Begebenheiten die Bergpredigt. Es ist ein wunderschöner Text, den der Apostel Paulus uns da geschrieben hat, durch seine Abnutzung und seine missverständliche Interpretationen aber kann ich ihn eigentlich nicht mehr hören. Heute aber war es anders. Heute waren meine Ohren offen für diese Zeilen, die uns von der Liebe erzählen: Und nein, NICHT von der Liebe zwischen Eheleuten! Sondern von der Liebe Gottes. Dank der Predigt konnte ich den Text einmal neu und in seiner ganzen Schönheit wahrnehmen.

So wunderschön sah es in der Dormitio zur Priesterweihe von Pater Daniel aus (Foto: Kathy Saphir)

So wunderschön sah es in der Dormitio zur Priesterweihe von Pater Daniel aus. (Foto: Kathy Saphir)

Nach dem Gottesdienst war ich dann einfach sehr glücklich: Denn hier an der Dormitio laufen so viele Dinge einfach glatt, über die ich mich in Deutschland immer furchtbar aufrege. Oft stelle ich fest, dass bestimmte Feste einfach missverstanden werden, dass die Predigten nicht zu den liturgischen Texten passen und die ausgewählten Lieder mit den aktuellen Geschehnissen während des Gottesdienstes definitiv nicht übereinstimmen. Ganz anders ist es hier: Man merkt einfach, dass für „unsere“ Mönche die Liturgie der Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens ist. Und demenstprechend wird sie gestaltet. Nicht überladen, nicht protzig, sondern authentisch, natürlich und passend. Das hat mir ganz besonders das gestrige Fest gezeigt, der Kirchenkalender vermeldete Darstellung des Herrn. Dieses Fest wird mit einer Kerzenweihe begonnen und mündet mit einer Prozession zur Feier der Eucharistie in der Kirche. Was soll ich sagen, es war einfach schön. Und nur so als kleines „Schmankerl“: Ich durfte den Prozessionsgesang singen, was also faktisch so aussah, dass ich im Rollstuhl mit dem Kantorale auf dem Schoß laut singend von einem Ministranten durch den Klausurbereich geschoben wurde. Ich habe beschlossen, dass ich zukünftig nur noch so singen werde! Eventuell könnte man ein paar Kerzenhalter an den Fußauflagedingern befestigen, dann würde ich auch liturgisch noch besser in den entsprechenden Rahmen passen.

Was wäre eine Priesterweihe ohne anschließenden Empfang? Allein der Häppchen wegen bin ich Priesterweihen ja sehr zugetan. (Foto_ Kathy Saphir)

Was wäre eine Priesterweihe ohne anschließenden Empfang? Allein der Häppchen wegen bin ich Priesterweihen ja sehr zugetan. (Foto: Kathy Saphir)

Auch die heutige Sonntagsmesse war wieder sehr hübsch. Und damit die Menschen auch was zum Lachen haben, bin ich heut in der Choralbe von meinem Platz neben der Orgel zum Ambo gehüpft (ein Bild der blauen Krücken befindet sich unten), um von dort aus den Antwortpsalm zu singen. Das muss schon lustig ausgesehen haben, zumindest haben die Mönche ganz schön Schmunzeln müssen… Besonders nett auch: Zwei Protestanten spielen während der katholischen Sonntagsmesse auf Orgel und Cello zwei Ave Marias. Und da es im Anschluss an die Messe noch den Blasius-Segen gegeben und mein Fuß vom Abt höchstpersönlich eine Sondersegnung erhalten hat, denke ich, dass es sich nur noch um wenige Stunden handeln dürfte, bis das Wunder der Spontanheilung eintritt. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

"Hinkebeinchen", so sprach mich meine liebe Oma in ihrem letzten Brief an, hüpft munter vor der Dormitio auf und ab. (Foto: Kathy Saphir)

„Hinkebeinchen“, so sprach mich meine liebe Oma in ihrem letzten Brief an, hüpft munter vor der Dormitio auf und ab. (Foto: Kathy Saphir)

Vor einigen Wochen habe ich in der Stadt zwei ältere Damen getroffen, die irgendeiner Freikirche o.ä. angehören und mich dann fragten, wie ich ein Theologie-Studium denn mit meinem Glauben und Gewissen vereinbaren könnte. Hätte ich da keine Probleme mit, die Bibel, das Wort Gottes, mit der historisch-kritischen Methode auseinanderzunehmen? (Okay, okay, alle, die mich kennen, dürfen jetzt mal lachen. Denn die, die mich kennen, werden wissen, dass ich exegetisch jetzt nicht so ganz fit bin… Aber Grundproblem verstanden, gell?) Für alle, die die Antwort interessiert: Nein, habe ich nicht. Aber es ist in der Tat so, dass das Theologie-Studium die Sache mit dem Glauben nicht unbedingt vereinfacht. Ich hatte in Freiburg öfters das Gefühl, vor einem gewaltigen Scherbenhaufen zu stehen. Mit diesem sehe ich mich auch während des Studienjahrs immer wieder konfrontiert. Und da ist es doch wieder die Nähe zum Kloster, von der ich hier profitiere: Denn tagein, tagaus sind die Mönche da und reden mit uns – das können ganz banale Dinge sein, man kann sich auch oft und viel über nicht-theologische Dinge unterhalten (Gott sei Dank, wäre ja furchtbar, wenns anders wäre!), aber auch für die theologischen Fragen ist immer ein offenes Ohr da. Was wird mir das fehlen, wenn ich wieder in Deutschland bin… Deswegen auch noch einmal die Aufforderung an meine Eltern, mir den Countdown, den sie für meine Rückkehr erstellt haben, bitte NICHT laut zu verkünden. Zumindest nicht dann, wenn ich am anderen Ende der Telefonleitung bin.

Zum Abschluss heute ein wunderschönes Chorstück von Victoria, einem meiner Lieblingskomponisten. Und da wir uns in der letzten Vorlesung mit dem Abt so viel mit der Mystik beschäftigt haben, passt doch auch ein „O magnum Mysterium“ ganz gut 🙂

Und ich muss mich entschuldigen: Aber ich kann mich einfach nicht entscheiden. Und dieses Stück von Palestrina ist auch so wunderschön und passt textlich zum gestrigen Fest… Wen es nicht interessiert, der möge einfach nicht auf den Link klicken!

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Eine Antwort zu “… hätte aber die Liebe nicht (1 Kor 13)

  1. Walther Lipphardt

    … doch, ich kann ihn hören, den Text – egal wie, er greift sich nicht -nie- ab. Am Morgen versuchst du neu zu beginnen, am Abend schau ich auf mein Versagen zurück, wie der ewige Wechsel von Flut und Ebbe. … sie hört nie auf, vermag alles

    Danke für das Sprechen aus der Seele … in so vielem – und hör nie auf, laut zu singen (weiß, wovon ich rede – Musik ist unser Leben, auch da, oder gerade da, wo nichts mehr geht).

    Danke auch für das Teilen, den „Scherbenhaufen wegzuräumen“ – den Mut, wenigstens zu versuchen.
    Zwei Fremde, die gerne Ihrem Blog folgen (danke, dass sie es dürfen) und sich über Ihren Humor und das Eintauchen in tieferes Gewässer sehr freuen – Danke, Shalom und gute Heilung

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