No day but today

Ein Tag in Tel Aviv ist irgendwie immer wie Urlaub. Dabei sollte man jetzt nichts Falsches denken von unseren Exkursionen, denn mit Entspannung haben diese eigentlich herzlich wenig zu tun – man sieht viel, man lernt viel, aber Urlaub ist etwas anderes. Tel Aviv tickt da nicht so. In der Großstadt direkt am Mittelmeer ist es in den kälteren Jahreszeiten angenehm warm und im Sommer unerträglich heiß. Ich liebe die stürmische Nordsee, lasse mir dort nur zu gerne den Wind um die Ohren wehen, spaziere auch im Winter dick vermummt kilometerweit an den Dünen entlang und habe viel Spaß daran, barfuß durchs Watt zu laufen und mit den Zehen die Wattwürmer aufzuspüren. Tel Aviv ist so ganz anders als Cuxhaven oder jede deutsche Stadt, die direkt an der Küste liegt. Es ist auch ganz anders als das heilige Jerusalem, in dem man ständig von einem Jahrhundert ins nächste fällt und von den verschiedensten religiösen Menschen nur so überrannt wird. Tel Aviv ist das moderne Israel.

Auf Holzplatten aufgestellt ist ein Cafè am Strand - durchaus rollstuhltauglich, so dass auch ich etwas von Sand und Meer haben kann - und dazu eine Cola in der Hand!

Auf Holzplatten aufgestellt ist ein Cafè am Strand – durchaus rollstuhltauglich, so dass auch ich etwas von Sand und Meer haben kann – und dazu eine Cola in der Hand!

Vergangenen Mittwoch führte uns eine Exkursion auf die Spuren des modernen Tel Aviv. Im vergangenen Jahr hatten wir bereits Jaffo besichtigt, eine geschichtsträchtige, sehr alte Stadt, die viel Leid erfahren musste und mittlerweile eine Art Stadtteil von Tel Aviv geworden ist. Letzteres wurde erst vor gut 100 Jahren gegründet als erste jüdische Stadt. In ihr befinden sich heute die Botschaften der verschiedenen Länder, denn auch wenn der Staat Israel Jerusalem als seine Hauptstadt ansieht, so wird dies international nicht anerkannt – denn Jerusalem sollte eigentlich internationale Zone sein und ist heute faktisch geteilt in ein Ost- und ein Westjerusalem. Also ist Tel Aviv, zumindest im internationalen Sprachgebiet, die Hauptstadt des Staates Israel. Hier wurde auch die Unabhängigkeit des Staates durch Israels ersten Premierminister David Ben Gurion ausgerufen.

In diesem Raum, der Hall of Independence, rief David Ben Gurion den Staat Israel aus.

In diesem Raum, der Hall of Independence, rief David Ben Gurion den Staat Israel aus.

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat ausgerufen – einige Stunden vor Ablauf der britischen Mandatszeit am 15. Mai. Warum? Nun, der 15. Mai war ein Schabbat – und es wäre natürlich nicht gegangen, dass ein jüdischer Staat das Sabbatgebot missachtet. Also wurde der Staat im Grunde zu früh ausgerufen, damit sich alle künftigen Politiker dennoch an den Schabbat halten konnten – na, ob das so ganz koscher war?

Nachdem wir uns mit solchen und anderen politischen Fragen beschäftigt haben, folgte noch ein Empfang beim deutschen Botschafter in Israel und ein Gespräch und danach gab es noch einige Stunden Freizeit. In dieser schoben mich einige liebe Kommilitonen zum Strand, wo diese sogleich ins Wasser sprangen (und das Mitte Januar!) und ich es mir in einem Strandcafé bequem machte, von wo aus ich einen herrlichen Blick aufs Mittelmeer genießen konnte. Danach gingen wir mit einigen Leuten noch ins Little Prague, einem tschechischen Restaurant, wo es heimatliche Küche und Franziskaner Weißbier zum Genießen gab.

Gleich plumpst die Sonne ins Meer hinein.

Gleich plumpst die Sonne ins Meer hinein.

Da könnte ich dann ja ewig stehen und einfach nur aufs Meer schauen...

Da könnte ich dann ja ewig stehen und einfach nur aufs Meer schauen…

Vom internationalen Großstadt-Flair verabschiedeten wir uns also mit gut gefüllten Mägen und zurück ging es in die Stadt der religiös Verrückten, die wir alle so lieben. Hier steht zur Zeit eine Vorlesung bei unserem Abt auf dem Plan zum Thema christliche Mystik (wieder so ein Thema, was an den deutschen Fakultäten leider viel zu wenig vorkommt, obwohl es sehr wichtig ist!). Außerdem durften wir gestern Abend Herrn Prof. Gertz, dessen Einleitung in das AT in vielen theologischen studentischen Heimbibliotheken zu finden ist, zu einem Gastvortrag begrüßen. Ihr seht, auch wenn wir uns mal ein paar Stunden am Strand vergnügt haben, so geht der Ernst des Lebens doch stetig weiter und wir lernen fleißig. In diesem Sinne: Bis bald!

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