Saul, Saul, warum verfolgst du mich? (Apg 9,4)

Die katholische Kirche feiert am heutigen Tag das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus: Der Christenverfolger Saul wird zum bekennenden Christen und Apostel Paulus, nachzulesen in der Apostelgeschichte. In der Dormitio wurde dieser heutige Festtag genutzt für einen besonderen Anlass: Der Kölner Kardinal weihte Pater Daniel zum Priester. Ich persönlich bin ein großer Fan von Priesterweihen. Im Grunde ist es ja wie eine Hochzeit. Und wenn sich ein Mensch dazu entschließt, den Lebensweg eines Priesters zu gehen mit allem, was von katholischer Seite aus dazugehört und sich so ganz in den Dienst Gottes stellt, dann ist eine solche Weihe auch für mich immer ein großes Fest. Es war wunderbar, diesen Tag gemeinsam mit Mönchen und Studienjahr verbringen zu dürfen – und natürlich auch mit vielen Gästen. Wie immer wurden wir vom Studienjahr bei solchen Festivitäten eingespannt: Sei es nun sängerisch in der Schola, im Ministranten- und Lektorendienst oder für sonstige anfallenden Aufgaben. Ich finde es immer schön, dass wir Aufgaben übernehmen dürfen, zeigt das doch, dass wir als akademisches Studienjahr nicht nur auf dem Papier der Abtei angehören, sondern wirklich auch einen Teil dazutun können und dürfen.

Dormitio

Was stand noch so an in dieser Woche?

Es ist die Gebetswoche für die Einheit der Christen und so versammelten wir uns gestern im Abendmahlssaal um mit Christen verschiedenster Konfessionen zu beten. Das ist erst einmal eine schöne Veranstaltung, aber eigentlich auch ein wenig absurd, was Guido und ich feststellten: Denn für unsere Einheit ist uns eigentlich alles selber an die Hand gegeben, es liegt an uns, sie zu schaffen. Der liebe Gott sitzt wahrscheinlich da oben und denkt sich: Wie viel Heiligen Geist soll ich ihnen denn noch schicken??

Im Anschluss an das Gebet gab es – natürlich – einen Empfang in der Dormitio, wo man mit vielen Leuten ins Gespräch kommen konnte. Mein Gipsfuß scheint da der perfekte Kommunikationseinstieg zu sein und die Tatsache, dass ich es geschafft habe, mir den Fuß zu brechen am einzigen Schneetag in Jerusalem (und das auch noch als Ausländerin, die Schnee doch eher gewöhnt sein sollte als die Einheimischen), sorgte mehrfach für Erheiterung. Abgesehen davon müsste der Heilungsprozess eigentlich nun rasant einsetzen, wurde mein Fuß doch von mehreren Priestern, Bischöfen und mindestens einem Patriarchen gesegnet – wohlgemerkt zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Anlässen!

Mit diesem Freitag Abend enden nun auch unsere dreiwöchigen christlich-muslimischen Werkwochen. In diesen drei Wochen beherbergten wir acht muslimische Doktoranden bei uns und studierten gemeinsam Koran, Bibel und die Philosophen des Westens und Ostens. Es waren lehrreiche Wochen, nicht nur akademischer, sondern auch menschlicher Art. Das Schönste war für mich eigentlich die Selbstverständlichkeit, mit der wir einander begegnet  sind und mit der wir uns respektiert und akzeptiert haben. Es wäre wünschenswert, wenn ein solcher vorurteilsfreier, selbstverständlicher Umgang mit Menschen aller Religionen auch in Deutschland nicht nur möglich, sondern usus wäre.  Viel zu oft begegnen wir Vorurteilen und Klischees, die zum einen für die betreffenden Personen verletzend und zum anderen vollkommen falsch sind. Diese drei Wochen haben mir gezeigt: Auch wenn wir unterschiedlichen Religionen angehören, so können wir dennoch miteinander leben – nicht nur, indem wir uns dulden, sondern indem wir wirklich das Leben miteinander teilen. Dazu hat einer unserer muslimischen Gäste heute ein schönes Zitat gebracht, mit dem auch ich enden und das ich jedem Blogleser ans Herz legen möchte:

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.

(J.W. Goethe)

 

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Ein Kommentar

25. Januar 2013 · 18:33

Eine Antwort zu “Saul, Saul, warum verfolgst du mich? (Apg 9,4)

  1. Walther Lipphardt

    „Denn für unsere Einheit ist uns eigentlich alles selber an die Hand gegeben, es liegt an uns, sie zu schaffen.“
    Ja, Annika Schmitz, das stimmt! – und vieles dazu muss wirklich zuerst in uns beginnen … und dann hört das „bannte d.h. brennt nicht unser Herz…“ nicht mehr auf.
    …. Sind wir mit der Ungeduld in uns dann schon auf dem Weg zur Einheit???

    Was Sie über die christl.-muslimische Werkwoche sagen, berührt mich stark – beneide Euch fast einwenig (im Guten). Lese z.Z. d.h. meditiere fast Khorchide „Islam ist Barmherzigkeit“ und mache dabei Erfahrungen, die die Euren zumindest berühren. … Danke, dass wir mitlesen dürfen. W+R

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