So for tonight we pray for what we know can be

Während Deutschland von Schnee überflockt (Wortschöpfung, aber sehr angemessen, oder?) wird, ist das mit dem Schnee in Israel eher eine Einbildungssache. Aber ich tue mein Bestes dafür, die judäische Wüste nur noch durch das Schneemannfamilienbild meiner Schwester zu betrachten, das an meiner Balkontür hängt, dann sehe ich zumindest einen weißen Schimmer.

Vorgestern war nicht nur unser großer Nikolausabend – davon am Wochenende mehr – nein, wir besuchten auch die Knesset (also quasi den israelischen Bundestag) und den obersten Gerichtshof.

Die Knesset (Quelle: Wikipedia)

Die Bilder sind aus dem Internet, weil wir an dem Tag nichts mitnehmen durften, wirklich nichts, außer der Kleidung am Leib und dem Reisepass in der Hosentasche. Wegen Sicherheitskontrollen und so.

Das waren jedenfalls einige sehr interessante Stunden! Ich denke mir ja manchmal sowieso, dass man nicht nur Theologie, sondern auch noch Politik oder so studieren sollte… Die Knesset ist wirklich sehr hübsch, besonders die Wandvorhänge von Marc Chagall. Bei unserer Knessetführung erfuhren wir, dass eine schwedische Gruppe sich einmal sehr an den geputzten Böden, in denen man sich fast spiegeln kann, erfreut hätte. In der Tat, das Reinigungspersonal der Knesset leistet gute Arbeit. Vielleicht sollte man sie mal in die Jerusalemer Altstadt schicken.

Wandvorhänge und Mosaike von Chagall (Quelle: http://www.knesset.gov.il)

Ich oute mich gerne als riesigen Chagall-Fan. Aber der Mann hat auch einfach fantastische Sachen gestaltet, oder? Die drei Wandvorhänge stehen für Gegenwart (links), Vergangenheit (mitte) und Zukunft (rechts) des israelischen Volkes. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich die mal genauer anschauen und sehen, wie hier was interpretiert wird. Das zeigt viel über das israelische Selbstverständnis. Über dieses haben wir generell wieder viel gelernt beim Knesset-Besuch. Aber auch das Parteien- und Fraktionssystem wurde noch einmal näher erläutert, und das ist auch gut so: Da es in Israel nur eine 2%-Hürde gibt, um in die Knesset gewählt zu werden, gibt es unglaublich viele Parteien, von säkularen bis zu ultra-orthodoxen, über arabische bis hin zu nationalistischen Parteien, die sich zur Zeit in 12 (?) Fraktionen zusammengefunden haben. Ein unglaubliches Gewusel! Ich habe da immer noch nicht wirklich den Durchblick.

Auch beim Obersten Gerichtshof war es sehr spannend, gleich wenn unsere Führerin so dermaßen schnell gesprochen hat, dass ich nicht ganz mitgekommen bin. Am Ende saßen wir aber noch in einer Verhandlung dabei und auch wenn ich kein Wort verstanden habe, so war es doch einmal ziemlich cool, Ally McBeal-Feeling zu bekommen 🙂 Außerdem hatten wir ein einstündiges Gespräch mit einem Richter über das Verhältnis von Religion und Staat – das war eine große Ehre!  Und wenn ein jüdischer Richter plötzlich anfängt von Monophysitisten zu reden, lässt sich darauf schließen, dass dieser Mann nicht nur juristisch, sondern auch theologisch hoch gebildet ist.

 Das Oberste Gericht (Quelle: Wikipedia)

In den Nachrichten hört man ja momentan viel über die neuen Siedlungspläne Israels und auch bei uns wird dieses Themengebiet besprochen. Wenn es verwirklicht wird, dann ist die Zwei-Staaten-Lösung ferner denn je. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt – dafür auch das heutige Lied.

Theologisch beschäftigen wir uns diese Woche mit den Ostkirchen. Dafür haben wir zwei Spezialisten aus der Dormitio da: zum einen Bruder Nikodemus und zum anderen Pater Mark Sheridan. Er ist „der letzte Koptologe“ und hat viele Jahrzehnte in Rom gelehrt, bevor er auf den Zion kam und wir nun in den Genuss seiner Vorlesung kommen. Ich stelle fest, dass ich ein Ostkirchler bin. Ehrlich. Besonders die Theologie der Liturgien hat es mir extrem angetan. Und ich stelle auch fest, welch eingeschränktes Bild wir in Deutschland auf die Ökumene haben: Immer geht es nur um Katholisch und Evangelisch – niemand scheint die Ostkirchen zu sehen, die uns doch in vielen Dingen so nahe stehen! Das reimt sich, und was sich reimt, ist immer gut, wusste schon der Pumuckl.

Schabbat Shalom!

So for tonight we pray for
What we know can be.
And on this day we hope for
What we still can’t see.
It’s up to us to be the change
And even though we all can still do more
There’s so much to be thankful for.

(aus: David Foster, Thankful)

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