Schabbat Schalom!

Wenn am späten Freitag Nachmittag die Sirene ertönt, dann weiß der Jerusalemer: Es ist Schabbat. Und eilt in die Synagoge. In dieser einzigartigen Stadt zu leben hat den Vorteil die Liturgien der anderen Religionen hautnah miterleben zu können. Und so stand gestern Abend Kehilat Ko HaNeshama, die Reformsynagoge in der Nähe der German Colony, auf dem Plan. Was ist denn eine Reformsynagoge, fragt Ihr euch? Das ist so ein bisschen die evangelische Kirche unter den Katholiken 🙂 Wir finden hier auch Rabbinerinnen, Frauen, die Kippa tragen, die klassischen Gebetstexte jazzig vertont und Juden, die die Religionsgebote nicht so eng sehen. (Ich bitte darum, meinen katholisch-protestantischen Vergleich hier jetzt nicht zu eng zu fassen!) Bisher kannte ich nur die orthodoxe Synagoge und daher war das eine spannende Erfahrung – und ich werde mich dort sicherlich noch einige Male sehen lassen. Es ist  schön, dass wir mit den Juden gemeinsam viele Texte beten können – denn beispielsweise die Tora und die Psalmen sind ja auch Teil unserer christlichen Bibel.

Comic auf der MauerAuf dem Weg zur Synagoge kamen wir an diesem Mauercomic vorbei – keine Ahnung, was das heißt, aber ich finde, es sieht witzig aus.

Während die Juden am Schabbat aber wirklich absolute Ruhe halten sollen (selbst das Betätigen des Lichtschalters ist untersagt, ist doch der dadurch entstandene Stromkreislauf wie eine neue Schöpfung zu werten, die am Schabbat strengstens verboten ist), genießen wir hier das meistens freie Wochenende.

So wurde am Freitag Abend nach dem Abendessen (wo ich im Übrigen, man möge staunen, meine Häkelkünste unter Beweis stellte, da sie angezweifelt wurden, diese Zweifel aber nun revidiert werden mussten) unser wöchentlicher Tanzkurs abgehalten.

TanzkursUnd so tanzen wir dann also abends munter durch den Vorlesungssaal, in dem wir sonst nicht durch unsere Muskelkraft, sondern durch Gehirnjogging öfters ins Schwitzen geraten. Wer hätte es gedacht, mittlerweile beherrsche ich so einigermaßen die Grundschritte von Walzer, Rumba, Cha Cha Cha, Disco Fox etc.

Da am Samstag die Geschäfte geschlossen haben, eignet sich dieser Tag ganz hervorragend für verschiedene Aktivitäten, die unter der Woche sonst gerne vernachlässigt werden.

GesangsprobeSo wird am Vormittag immer mit Pater Ralph für die Sonntagsmesse geprobt – auf dem Plan steht zumeist Gregorianik, die ich persönlich sehr wertschätze.

Tja, und danach kommen dann die Studenten- und Hausfrauenpflichten. Und da bin ich ja ganz groß drin! Heute wurden mal alle Mitschriebe etc. sortiert – ich will nicht wissen, wie ich das ganze Zeug irgendwann im nächsten Jahr nach Deutschland kriegen soll… Hat irgendwer vielleicht Interesse mit zwei leeren Koffern herzukommen?

Kehrwoche!

Flaschen wegbringenImmer gut: Mit dem großen Sinairucksack die Flaschen der letzten Woche zum Container bringen… Bei so viel Hausfrauentätigkeiten ist es nicht verwunderlich, wenn ich mir im Anschluss daran erst einmal einen Dormitio-Cafeteria-Besuch gönnen muss.

CafeteriaUnd wer nun behauptet, dass ich öfters in die Cafeteria gehen würde und die Volontäre bei meinem Eintritt nur rufen: „Eiskaffee, schnell! Annika ist da!“, der mag eventuelle Recht haben. 🙂 Was man an dem Bild auch sehen kann sind die um mindestens 10 cm verkürzten Haare. Das ist die traurige Wahrheit.

Mit das schönste am Schabbat ist aber doch, dass am Abend die Geschäfte wieder öffnen und man so auch gegen 21 Uhr noch in der Mamila, dem Shoppingcenter in der Neustadt, hervorragend einkaufen gehen kann. Das musste heute auch sein, denn es ist echt frisch geworden (obwohl es hier natürlich noch nicht geschneit hat wie in Freiburg) und ich dringend ein paar warme Sachen brauchte…

Shopping bei Lord KitschDann steckt man also wieder mitten drin im Trubel, in der Neustadt, dort, wo alles sehr europäisch scheint. Und dann kommt man auf dem Heimweg mal eben an einer Bar Mizwa-Feier vorbei. Willkommen in der heiligsten aller Städte.

Bar Mizwa

In diesem Sinne: Schabbat Schalom und einen gesegneten Sonntag!

Und für alle, besonders aber für Franca, noch ein besonderes Augenschmankerl: 

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