Es surften Kain und Abel kaum ohne einen Gabelbaum

Wenn man in einem fremden Land auf Zeit lebt, muss man sich auch an den Gedanken gewöhnen, in ebendiesem Land zum Friseur zu gehen. Gesagt, getan, dachte sich die Annika und nutzte am heutigen Tage die freie Zeit zwischen zwei Vorlesungen, um in der Altstadt zum arabischen Friseur zu gehen. Um den Kölner Domkapellmeister in Bezug auf mit Mädels und Jungs gemeinsame große Chorproben zu zitieren: „Scha-os!“ Anderer Ort, anderes Geschehen, gleicher Ausruf: Chaos! Gleichzeitig aber auch sehr witzig, von einem Stuhl wird man auf den nächsten geschoben, hier kurz Haare gewaschen, dorthin gesetzt, mit dem gesprochen, ein anderer kommt mit der Schere, einen warmen Kakao in die Hand gedrückt, „Your from Dormition Abbey? Welcome!“ gerufen und dann sind die Haare mal einen gefühlten halben Meter kürzer als gedacht. Wächst ja wieder nach, denke ich mir leicht traumatisierte ehemalige Besitzerin langer Haare.

Als Thema in den Vorlesungen geht es momentan um den jüdischen Talmud, wofür ein orthodoxer Rabbi regelmäßig ins Haus kommt. Ein weiteres Thema ist das 2. Vatikanische Konzil, das Herr Prof. Siebenrock mit uns unter die Lupe nimmt – Konzilshermeneutik, Glauben in der Moderne, christlicher Wahrheitsanspruch, religiöser Pluralismus und viel mehr. Meiner Meinung nach hat diese Vorlesung das Potential, die beste des Semesters zu werden. Und ganz im Sinne des Konzils merke ich doch immer mehr: Man kann nur wissen, wer man selbst ist, wenn man weiß, wer die anderen sind.

jüdisches ViertelWas soll dieses Bild nun? Das hab ich letztes Mal vergessen. Man sieht rechts die Churva-Synagoge, wie so einige Synagogen nach ihrer Zerstörung erst vor einigen Jahren neu aufgebaut wieder eingeweiht, und links davon ein Minarett. Da hat sich die jüdische Besitzerin des Grundstücks mit der jüdischen Gemeinde verkracht und deswegen das Grundstück an eine moslemische Gemeinde verkauft, die dort direkt ein Minarett errichtet hat. Die Welt ist schon ein verrückter Ort.

Gestern im Studienjahr zu Besuch: Gil Yaron, der bekannte israelische Journalist, der viele Jahre in Deutschland gelebt hat und als Auslandskorrespondent u.a. für die FAZ und den Spiegel tätig ist. Mit ihm bestritten wir einen Studientag zum Thema „Juden und Hebräer – die Identität des Staates Israel“. Was ist das Selbstverständnis des Staates Israel? Welche zionistischen Strömungen gibt es? Warum ticken die Israelis so, wie sie ticken? Welche Rolle spielt denn nun die Religion? Und: was gibt es für Lösungen für die Probleme, mit denen dieses kleine und doch so bedeutsame Land konfrontiert ist?

Studientag mit Gil YaronEs war ein hochspannender, kurzweiliger und interessanter Tag, den man gut noch hätte länger weiterführen können. Was aber die letzte Frage, die Frage nach einer Lösung für die Konflikte, im Land und die das Land bedrohenden, angeht, da wurden wir ernüchtert: Eine Studie aus Uppsala hat 315 ethnische Konflikte weltweit aufgewiesen, und von denen konnten nur acht gelöst werden. Gil Yaron zeigte auf: Europa, so wie es heute mit seinen friedlichen Grenzen und der internationalen Zusammenarbeit besteht, war erst möglich nach zwei Weltkriegen, insgesamt über 80 Millionen Todesopfern und der totalen Zerstörung. Das muss man sich mal vor Augen führen. Und selbst in Europa sind ja noch nicht alle ethnischen Konflikte gelöst. Eine Lösung des ethnischen Konflikts in und um Israel erscheint wohl absolut unwahrscheinlich. Das ist eine harte Realität, dazu weiß man nichts mehr zu sagen.

Zum Abschluss also noch einmal ein radikaler Themenwechsel und ein schönes Bild – ja, ich habe eine Schwäche für Sonnenuntergänge, aber kann man es mir verübeln?

Sonnenuntergangsspektakel

Und wer schon immer einmal wissen wollte, was es mit Kain, Abel und dem Gabelbaum auf sich hatte, der sei verwiesen auf folgendes Beispiel moderner Bibelexegese:

Advertisements

3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

3 Antworten zu “Es surften Kain und Abel kaum ohne einen Gabelbaum

  1. Die beste Schwester der Welt :)

    Schwesterherz, genau das gleiche ist mir auch passiert beim Friseur vor 2 Wochen! Gruselig oO
    Immerhin bin ich jetzt nicht mehr neidisch, dass deine Haare länger sind als meine 😉 hihihi 🙂 ♥

  2. bine

    ….Foto von der Anni mit der neuen Frisur? 😉

  3. Moni

    Die haben bestimmt gedacht, Du gehst noch auf Sinaitour! 🙂
    Bitte ein Bild von Dir!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s