Schlaf ein und träum vom Meer

Während wir uns thematisch in vergangener und kommender Woche zum einen mit der Frage nach Religion und modernen Gesellschaften beschäftigen (Prof. Gabriel) sowie mit einem archäologischen Thema über Galiläa zur Zeit Jesu (als Vorbereitung auf die zweiwöchige Galiläaexkursion mit Prof. Zangenberger), haben wir eine der vielleicht emotionalsten Vorlesungen abgeschlossen: gemeinsam mit den Frau Professorinnen Sattler und Nüssel diskutierten wir über Möglichkeiten und Grenzen einer eucharistischen Tischgemeinschaft, dazu sprangen wir munter durch 2000 Jahre Theologiegeschichte, diskutierten Aristoteles, Thomas, Aktualpräsenz, Kon- und Transsubstantiation, aktuelles Kirchenrecht, Luther, Papst, apostolische Sukzession, Brot, Wein, Abendmahlberichte uvm. Emotional wurde es vor allem deshalb, weil dieses Thema ja doch uns alle beschäftigt und wir als Theologen über die so genannten „theologischen Spitzfindigkeiten“ nicht einfach hinwegsehen können – und gerade das macht die Sache noch einmal schwieriger. Doch einfach über alles hinwegsehen, das würde bedeuten, das theologische Wissen, das wir, soweit wir es schon haben, zu übersehen – und das ist gegen alle akademische Bildung.

studentisches Abendmahl

Einsteins Abendmahl

Emotional ging es auch an unseren Studientagen „evangelisch – katholisch“ zu, die wir Studierenden selbst gestalteten. Der Mittwoch war der Tag von „Pro TV“, an dem die Protestanten unter uns auf höchst amüsante und unterhaltsame Weise ihre Konfession erklärten. Ernster ging es am folgenden Tag bei den Katholiken zu: Am 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils beriefen wir das I. Ökumenische Konzil auf dem Zion ein und diskutierten über Ausschnitte der damals verabschiedeten Konstitutionen „Lumen Gentium“ und „Dei Verbum“ – eine Einigung konnten wir nicht erzielen, wohl aber am Nachmittag noch viele Fragen klären. Im Prozess der Ökumene stehe  wir jedenfalls mittendrin. Es bleibt spannend, was in den nächsten sechs Monaten auf dem Zion noch passiert – das II. Vatikanum dauerte schließlich auch drei Jahre, da dürfen wir nach nur einem Tag nicht zu viel erwarten.

Richtig schön war es am Dienstag, als wir mit einer unserer Studienjahrsmentorinnen, Tamar Avraham, nach Tel Aviv – Jaffo auf politische Exkursion fuhren. Erster Halt war die Universität von Tel Aviv, wo wir das archäologische Institut, das von weltweitem Rang und Namen ist, besucht haben.

Töpfe zusammenflicken im archäologischen InstitutDiese Arbeit dort ist mit Sicherheit spannend und interessant, ich persönlich muss allerdings meine archäologische Ader noch finden. Sind wir mal zuversichtlich, ich denke, sie versteckt sich irgendwo unter den vielen Schokoladen-Adern und wird eines Tages in Erscheinung treten – ich lebe in ständiger Naherwartungshoffnung!

Weiter ging es Richtung Mittagessen. So ein Studienjahrsexkursionmittagessen besteht – oh Wunder – aus Pita. Pita. Hummus, Oliven, Pita, Gurken, Weintrauben, Pita, Käse, Pita. Und noch mehr Pita. Eine Überraschung hielten unsere Assistenten aber für uns bereit: Der Bus hielt am Strand von Tel Aviv und so durften wir unsere Exkursionsverpflegung in der kurzen Mittagespause direkt am Meer zu uns nehmen. Da kann man nun wirklich nicht klagen!

Blick auf das alte JaffoStärkung mit Pita inklusive Blick auf das alte Jaffo? Check!

wunderschöner Ausblick

Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, uns durch Jaffo führen zu lassen. Diese uralte Stadt – erwähnt bereits kurz in der Apostelgeschichte – muss einst eine wunderschöne orientalische Stadt gewesen sein, wenngleich biblisch eher unbedeutend. Politische Bedeutung erhielt sie in ihrer langen Geschichte umso mehr! Die dereinst typisch orientalische Stadt mit ihren verwinkelten Gässchen und Häusern, erbaut in hellem Stein, ist während Kriegszeiten fast vollkommen zerstört worden. Insbesondere nach der Gründung des Staates Israel mussten viele arabische Bewohner ihre Häuser verlassen und in andere Gegenden fliehen. Tel Aviv wurde gegründet und verschmolz irgendwann mit Jaffo zu einer Stadt. An manchen Stellen kann man aber noch den Charme des alten Jaffo verspüren…

das alte Jaffo und noch einmal Jaffo Blick vom Hafen ausEs gäbe sicher noch viel zu erzählen und vor allem noch viele wunderschöne Bilder, aber das israelische Internet ist heute mal wieder eine mittlere Katastrophe, da macht das Hochladen von Bildern nun wirklich keinen Spaß.

Abends fuhren wir noch in ein Museum, das die Gründung Tel Avivs aufwies. In Wandmalereien wurde die Geschichte der Stadt dargestellt und an einem kleinen Modell konnte man sehen, wie die Stadt eigentlich aussehen sollte: mehr so nach amerikanischer Kleinstadt, in der alle Häuser im Colonialstil gebaut sind und die Häuser nur ein Drittel des Grundstücks einnehmen. Von Wolkenkratzern war da noch keine Rede. Aber wie es immer ist, die Dinge laufen ja nie so, wie sie geplant sind.

Doch wenn man bei Sonnenuntergang am Strand von Tel Aviv steht, dann stören einen die Wolkenkratzer herzlich wenig – dafür ist es doch zu schön dort!

abends am Meer

„Schlaf ein, es war ein langer Tag … Schlaf ein und träum vom Meer“

 

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