Sukkot: in order to be happy

Das Laubhüttenfest sollst du sieben Tage lang feiern, nachdem du das Korn von der Tenne und den Wein aus der Kelter eingelagert hast. Du sollst an deinem Fest fröhlich sein, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, die Leviten und die Fremden, Waisen und Witwen, die in deinen Stadtbereichen wohnen. Sieben Tage lang sollst du dem Herrn, deinem Gott, das Fest feiern an der Stätte, die der Herr auswählt. Wenn dich der Herr, dein Gott, in allem gesegnet hat, in deiner Ernte und in der Arbeit deiner Hände, dann sollst du wirklich fröhlich sein. Dreimal im Jahr sollen alle deine Männer hingehen, um das Angesicht des Herrn, deines Gottes, an der Stätte, die er auswählt, zu schauen: am Fest der Ungesäuerten Brote, am Wochenfest und am Laubhüttenfest. Man soll nicht mit leeren Händen hingehen, um das Angesicht des Herrn zu schauen, sondern jeder mit seiner Gabe, die dem Segen entspricht, den du vom Herrn, deinem Gott, erhalten hast. (Dtn 16,13-17)

Meine Damen und Herren, wir feiern zur Zeit Sukkot, das Laubhüttenfest und eines der drei großen jüdischen Wallfahrtsfeste. Die Stadt ist zur Zeit bevölkert von jüdischen Touristen, die zur Wallfahrt herkommen, gepaart mit den jüdischen Bewohnern Jerusalems ist es momentan noch voller als sonst.

Juden an SukkotHier läuft eine Familie grad den Weg zur Klagemauer hinunter. Auch die kleinen Jungen tragen schon Kippa. Die Hüte der Männer zeigen, dass sie zu den Chassidim gehören, den Frommen, also zugehörig zum ultra-orthodoxen Judentum. Der Hut, der ganz rechts zu bewundern ist, ist eine braun-schwarze, runde Pelzmütze (genannt „Streimel“), die von Chassidim getragen werden, die ursprünglich aus dem osteuropäischen Raum kommen. Sie tragen dazu schwarze „Samtkleider“, die ein wenig aussehen wie ein Bademantel.

auf dem Weg zur KlagemauerHier noch einmal der Vergleich von Hut und Kippa, letztere wird auch im Alltag von jedem männlichen religiösen Juden ständig getragen.

Chassidim Das ist wohl eines meiner Lieblingsbilder. Man kann hier auch ganz gut die Schläfenlocken sehen, die auch die Jungen bereits tragen.

Die festlichen Tage von Sukkot sollen an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten erinnern, damals hatte man ja auch keine Häuser, sondern baute sich notdürftige Hütten. Aus diesem Grund bauen sich auch die religiösen Juden Laubhütten, die nach strengen Regeln errichtet werden müssen (man muss z.B. den Sternenhimmel sehen können, aber das Dach muss zu einem bestimmten Teil mit Palmenblättern o.ä. gedeckt sein etc.) und in denen die Familien während der Festtage einen guten Teil des Tages verbringen – zum Essen, zum Ausruhen, manche Leute schlafen auch in der Hütte.

Überall in der Stadt sind Laubhütten aufgebaut, auch in der Neustadt haben viele Restaurants und Cafés eine solche Sukka errichtet, in der man essen kann. Jeder Tag von Sukkot steht unter einem bestimmten Thema. So war gestern der tag der Märsche und Paraden, vorgestern wurde abends vor den Synagogen getanzt, vorvorgestern war der Tag der Freude…

Natürlich haben auch wir Studenten eine Sukka in unserem Garten aufgestellt, die sogar vom einem Rabbi, der bei uns in der Nachbarschaft wohnt, gesegnet wurde.

Auch erklärte er uns einige Bräuche, die mit Sukkot zusammenhängen. Wieder konnten wir das Judentum ein Stück besser verstehen lernen.

Und da Sukkot ein Freudenfest ist, beschlossen wir den Abend mit jüdischer Musik und ein bisschen Schunkelei.

Wo es um ein Fest der Freude geht, da darf natürlich auch die Freude beim Sukka-Aufbau nicht fehlen – selbstverständlich allein aus religiöser Motivation heraus! Challenge accepted:

Hier sind wir noch ernsthaft bei der Sache und bauen – ohne Bauanleitung – unsere Sukka auf. Das klappte auch recht gut, da ich aber ja Hüttenbauspezialist (viele Sommer mit vielen Cousinen und Cousins im großelterlichen Garten haben ihr Übriges getan) bin, war das kaum anders zu erwarten. 🙂

Doch dann ging es los, denn mit den Sukka-Zutaten kann man viele schöne Dinge machen:

 Hier wird Christina zu einem Knappen Annikas geschlagen.

Darstellung des Kampfes der drei großen monotheistischen Religionen, ein Ölgemälde um 1745, Jerusalem.

Angela Domini (Janne) nuntiavit Mariae et concepit de Spirito Sancto.

Nach Aussage meines guten Freundes L. wird der Herr wiederkommen, wenn ich zum Protestantismus konvertiere. Da man ja in einem ökumenischen Studienjahr nie so sicher sein kann, was wird, haben wir hier schon mal für den Einzug in Jerusalem geprobt. Besonders gelungen ist meiner Meinung nach der Esel.

Und heute einmal kein Lied am Ende, dafür aber ein schönes Zitat aus der aktuellen Vorlesung: „Unmündige und einfältige Menschen, also Frau und Kind“…. Ich melde mich bald wieder, bis dahin: Schabbat Schalom!

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

3 Antworten zu “Sukkot: in order to be happy

  1. Walther Lipphardt

    Ganz herzlichen Dank für Deine erfrischende Einführung zum Sukkot und wir wüschen Euch auch in den nächsten Tagen viel Ausdauer in der Freude.

    Viele Grüße aus dem Schwarzwald, wo sich unsere Herbsttage mit kräftigen Regenschauern, Sturm, Nebel und Fast-Schnee (kommt noch) von der allerbesten Seite zeigen – ob da Eure Sukka ….? na bei so einer Hüttenbauspezialistin vlt. doch?

    Alles Gute, Walther

  2. Vielen Dank für den lieben Kommentar – es freut mich, Grüße aus der Studentenheimat zu erhalten, den Schnee und den schönen deutschen Herbst, den ich sehr gern habe, werde ich hier wohl missen müssen!

  3. Walther Lipphardt

    vielen Dank, aber dafür habt ihr wohl den besseren Teil erwählt 🙂 und bei eurem Oktoberfest (muss Deinen Blog noch lesen) fliegen Euch wenigstens keine Zelte weg :-).
    Aber der Schwarzwald ist wirklich schön (heute Sonne mit bezauberndem Farbenspiel zwischen Licht und Schatten).
    eigentlich könnte die Welt es überhaut sein ….

    Alles Gute und Schalom, R+W

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