Das Wandern ist des Studienjahrs Lust, Teil III

oder auch: oooooho sierra, sierra madre del sur ….

Wir nähern uns dem Ende der Sinaitourberichterstattung. Was fehlt noch? Das Katharinenkloster! Dieses in der Mitte des 6. Jh. gegründete Kloster ist auch heute noch eine imposante Erscheinung, besonders dann, wenn man über eine Woche fernab der Zivilisation gelebt hat und keinen Menschen, dafür aber umso mehr Wüstenameisen, Klippdachsen und Echsen begegnet ist sowie enge Bindungen zu Kamelen aufgebaut hat.

 Nach etwa 3000 Stufen, die den Berg hinunterführen, erreicht man von unserem Nachtlager das Kloster

Im Kloster selber sind die meisten Bereiche mittlerweile wegen des großen touristischen Andrangs gesperrt, so dass man nur die Kirche betreten (in der nicht fotografiert werden darf) und den „brennenden Dornbusch“, der nicht verbrannte, als Gott sich in ihm dem Mose offenbarte, bewundern kann: auch hier sei  angemerkt: die Historizität dieses Dornbuschs darf vom kritischen Blogleser angezweifelt werden! Das rechte grüne Gewächs soll es also sein. Humor hatte auch der Mensch, der links neben den Dornbusch einen Feuerlöscher gestellt hat 🙂

Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. (Ex 3,1-2)

Bekannt ist das Katharinenkloster, das griechisch-orthodoxe Mönche beherbergt, besonders für seine riesige Ikonensammlung. Unter anderem findet sich hier das Original der berühmten Ikone Christus als Pantokrator. Des weiteren  enthält seine Bibliothek die zweitgrößte Handschriftensammlung nach der Vatikanbibliothek, u.a. ist der Codex Sinaiticus hier zu bewundern. Weitere Besonderheiten sind zum Beispiel ein angeblicher Schutzbrief des Propheten Mohammeds, der im Museum ausgestellt ist, sowie eine Moschee mit Minarett innerhalb der Klostermauern, deren schneller Bau eine Eroberung und Zerstörung des Klosters durch den Kalifen Al-Hakim erfolgreich im 11. Jh. verhinderte.

Nach Beendigung der Besichtigung des Klosters hieß es Abschied nehmen von den Beduinen, die uns die letzten 10 Tage begleitet und uns ihre Heimat gezeigt haben, die uns ans Herz gewachsen sind und die wir, inshalla, in diesem Leben vielleicht noch einmal treffen werden. Nachdem wir unsere Pässe wiederbekommen haben, ging es auf Richtung Rotes Meer. Aber bevor wir dahin gelangen, soll es noch ein kurzes Wüstenresümee geben:

1. Man unterschätzt die Selbstreinigungskräfte des eigenen Körpers. Duschen wird überbewertet. Saubere Fingernägel und frisch gewaschenes Geschirr auch.

2. Manchmal ist es besser, das Wadi aufzusuchen (d.h. Mutter Natur) als eine Ökotoilette. Man sollte nur kommunizieren, wo genau das Frauen- und wo das Männerwadi ist. Aber irgendwann ist es ja eigentlich auch egal.

3. Umziehen im Schlafsack klingt kompliziert. Ist es auch.

4. Beduinen sind unglaublich nett. Und auch wenn sie mit der Natur im Einklang leben, so haben die meisten doch ein Smartphone in der Hosentasche, das man beim Kamelreiten gerne herausholt, um arabische Musik zu hören.

5. Man trifft wenige Menschen im Sinai. Eigentlich überhaupt keine. Dafür aber Wüstenameisen. Und die finde ich gar nicht witzig. Wohingegen ich

6. KAMELE einfach total genial finde!

7. Die Landschaft, der Sternenhimmel und das Leben in der Wüste lassen sich nicht in Worte fassen.

8. Wir leben nicht nach der Uhr. Aufstehen um 6:30? Keine Ahnung. Aufstehen, wenn die Sonne aufgeht!

9. Im Gegensatz zu den Israeliten haben wir weder Manna noch Wachteln gefunden. Wir sind auch nicht um ein goldenes Kalb getanzt, obwohl mir manchmal definitiv danach zu Mute war. Für spirituellen Input hatten wir aber stets…

… eine lebensgroße Buddha-Statue mit dabei sowie einen Zen-Meister:

So viel also zur Wüste. Nun also ging es mit dem Bus im Konvoi samt Polizeibegleitung am Roten Meer entlang, wo wir noch eine Nacht verbrachten, den Wüstensand hinter uns ließen, die geflochtenen Haare öffneten, Löwenmähnen erhielten und in die warmen Fluten sprangen. Diese Stunden der Entspannung taten unglaublich gut und unser Arzt durfte endlich öfter zum Einsatz kommen – denn die Seeigel, liebe Freunde, die Seeigel im Roten Meer… Autsch! Es gab sogar echte Toiletten, es gab echte Duschen, und vor allem sah unser Nachtlager so aus:

 

In 18 km Entfernung sieht man hinter dem Meer Berge aufblitzen – diese gehören bereits zu Saudi Arabien. Man hätte glatt mal kurz rüberschwimmen können.

Diesen Sonnenaufgang genossen wir vom Schlafsack aus – denn natürlich haben wir die letzte Nacht am Strand unter freiem Himmel verbracht und nicht in den vorhandenen Zelten!

Noch einmal ins Meer gehüpft…

… und auf nach Jerusalem!

An der israelischen Grenze wurden wir nach Verabschiedung von unseren ägyptischen Guides, die uns nicht nur sicher durch das Hochgebirge geführt haben, sondern auch stets viel Wissenswertes zu erzählen vermochten, bei der Einreise ordentlich gefilzt. Das ging sogar so weit, dass der arme Guido den Grenzposten auf Englisch sein Studium erklären musste, unter anderem führte dieses Gespräch soweit, dass er über die Unterschiede im Eucharistieverständnis von Protestanten und Katholiken referieren durfte….

Und dann waren wir also wieder da und wurden von lieben Menschen mit einem bunt geschmückten Speisesaal und mit von Pita stark abweichendem Essen – Gott sei es getrommelt und gepfiffen – begrüßt.

Im Gedenken an das Rote Meer verweise ich auf folgenden Link: 

Und was die Wadi-Regelung anbelangt, Männer, haltet Euch dran!

In diesem Sinne verabschiede ich mich mit dem inoffiziellen Lied des Studienjahres ohoooo sierra, sierra madre del sur und wünsche allen Lesern einen gesegneten Sonntag!

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