Das Wandern ist des Studienjahrs Lust, Teil II

Ich merke, ich muss mich kürzer fassen, sonst kommen hier 10 Teile zur Sinai-Exkursion.

Der 2. Wandertag war für mich ein kleiner bzw. großer Schock, denn anstatt gewandert wurde mehr geklettert – und wenn man es wie ich weder mit der Höhe noch mit der Kondition so sonderlich hat, dann wird grade der Abstieg von einem Hang hinunter, welcher aus einem großen Geröllfeld besteht, weniger witzig. Aber vor dem Abstieg durften wir einige traumhafte Ausblicke auf das Sinai-Hochgebirge genießen, die ich natürlich nicht vorenthalten möchte:

Nach meinem Abstiegsschock wollte ich auf die zweite Klettertour am folgenden Tag verzichten und lief stattdessen einen anderen Weg mit den Beduinen und den Kamelen mit. Naja, ich gebe zu, mitunter bin ich auch geritten 🙂
   Treuherzig lief mein Kamel hinter Achmed auf seinem Kamel her, dem netten Beduinen, der vorne zu sehen ist. Man beachte den Hinterkopf meines Kamels! Ich finde ja, das sieht sehr putzig aus und erinnert mich an das witzige Vieh aus Ice Age.

Am Sattel angekommen erholen sich die Kamele (man könnte natürlich auch meinen, dass sie auf mich, die ich den Berg nicht so schnell heraufgekommen bin, warten, aber das täuscht …)

 Und wo man rauf geht, muss an auch wieder runter. Aber man muss zugeben: Wüste ist schon ziemlich hübsch!

So schaute der Beduinengarten aus, in dem wir die Nacht verbringen durften – für das Foto habe ich keine Kosten und Mühen gescheut und bin todesmutig auf einen Felsen geklettert!

Und so sieht es dann aus, wenn das 39. Theologische Studienjahr mitten in der Wüste sein Nachtlager aufschlägt…

Was zu diesem Tag sonst noch so zu sagen ist?

 Vom Berge hoch ein Engel kommt *sing* – naja. Also vielleicht kein echter Engel. 🙂

 Ein herzliches Danke an die lieben Kamele fürs Tragen und Reiten lassen!

Es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, einmal einen Tag mit einer Gruppe von Beduinen verbringen zu können. Ich habe eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft erfahren dürfen, die alles bisher bekannte weit überstieg und mit einer selbstverständlichen Freundlichkeit ausgeübt wurde, wie sie mir nie bisher zuvor ist. Woran mag es liegen, dass gerade die Menschen, die wenig haben, bereit sind, so viel zu geben?

Tags drauf machten wir uns an den Aufstieg zum Gebel Abbas Pasha, auf dessen Bergspitze wir die Ruinen eines Palastes eines alten ägyptischen Herrschers, der dem Berg seinen Namen verliehen hat, bewunderten.

 Oben angekommen, auf der Mauer sitzen und dazu ein paar Lieder aus dem frisch gedruckten Liederbuch schmettern – dafür wurde extra eine Gitarre mitgenommen, das sind die Augenblicke, die man genießen muss! Abends feierten wir dann noch gemeinsam mit unserem Studienpräfekten Pater Matthias, der Mönch an der Dormitio ist und uns auf der Sinaitour begleitete, Gottesdienst – schließlich wird der Sonntag auch in der Wüste nicht vergessen!

Nächster Tag, Wüstentag. Das bedeutet? Ein Tag in Stille. Ein Tag für jeden alleine, zurückgezogen auf einem Felsen las jeder für sich in der Heiligen Schrift, betete und lie? die Gedanken schweifen. Klingt entspannend, ist aber für die Seele ziemlich anstrengend. Nach einem solchen Tag der Stille feierten wir am Abend mit unseren lieben beduinischen Begleitern, die uns bis dahin täglich mit Malventee, frisch gebackenem Brot (welches ich ab Tag 6 nicht mehr sehen konnte, das sollte mir noch zum Verhängnis werden, doch dazu später mehr), geschnippeltem Gemüse, Käse, Reis und Nudeln versorgte, ein Fest. Dazu wurden extra für uns zwei Ziegen geschlachtet und diese dann in Wüstenmanier zubereitet, sprich: im Sand.

Also, es läuft wie folgt: Die Ziege wird geschlachtet ausgenommen und alles Essbare wird in einen Topf getan. Dann buddelt man ein Loch, zündet unten ein Feuer an, wartet, bis es gut durchgeglüht ist. Das Fleisch wird einfach so in die Glut hineingelegt, der Topf wird oben drüber gestülpt, es folgt eine Schicht Sand und ein Feuerchen auf der Oberfläche. Man warte knappe zwei Stunden und hat eine wunderbar gegarte Ziege, die, auch wenn die deutschen Gesundheitsbehörden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden, sehr lecker schmeckt. Wenn man dann noch gemeinsam ums Lagerfeuer sitzt, sämtliche Wüstenameisen erlegt hat, ein paar Lieder singt und zum Schluss einen Arak für den Magen trinkt, so kann man diesen Tag als vollen Erfolg bezeichnen! In der Wüste ticken die Uhren eben anders. Auch beim Holzhacken.

 

Tja, und dann der siebte Tag, der Tag des Katharinenbergs… Dieser Berg ist mit seinen gut 2600 m (so ich es richtig in Erinnerung habe) der höchste Berg in der High Mountain Region des Südsinais, in der wir uns bewegten. Der Berg trägt seinen Namen daher, weil hier ein Mönch die Gebeine der Heiligen Katharina gefunden haben soll, die nach ihrem Märtyrertod von Engeln auf diesen Berg getragen wurde, und er sie dann ins Katharinenkloster brachte (welches seinen Namen wohl woher hat?), von dem ich noch berichten werde. Der Höhe des Berges entsprechend ist der Aufstieg anstrengend, aber extrem lohnenswert:

In der Tat, der Ausblick ist ganz hübsch. Wenn man aber seit dem Vortag nichts mehr gegessen hat, weil einem vom Pitageruch schlecht wird, man sowieso ziemlich erschöpft ist und die Höhenluft zu schaffen macht, dann klappt man dort oben mitunter zusammen. Und bekommt nicht mehr so viel mit. Die Gruppe hat mich aber gut wieder den Berg hinuntergebracht, ich wurde sogar von einem Notfallkamel abgeholt, was aufgrund seines schaukelnden Seins meinen Zustand eher verschlechtert hat. Für die nächsten zwei Tage war ich dann aber doch eher außer Gefecht gesetzt, doch der uns begleitende Arzt hat mich mit Hilfe von ein paar Tropfen und Infusionen in unserer improvisierten Wüstenklinik (wozu Wanderstöcke so alles gut sein können!) schnell wieder auf die Beine gebracht.

Dennoch konnte ich den folgenden Tag nicht mit auf den Moseberg, sondern blieb auf halber Höhe bei den Beduinen im Nachtlager zurück. Ein weiteres Mal durfte ich deren große Freundlichkeit genießen, saß mit ihnen ums Feuer und auch wenn wir uns kaum verständigen konnten, da mein Arabisch noch weniger vorhanden ist als deren Englisch, war es wie in einer großen Familie.

Der Rest des Studienjahres kraxelte also zum Sonnenuntergang auf den Moseberg und auch wenn ich nicht mitkonnte, so hat sich doch eine gute Seele meiner Kamera angenommen…

Nach so vielen romantisch-kitschigen Fotos sollte der längste Eintrag in der Geschichte dieses Blogs nun besser beendet werden. ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben in diese Sinaiexkursion, die ich nach wie vor mit recht ambivalenten Gefühlen betrachte. Morgen wird es noch, inshallah, ein kleines Resümee geben sowie eine Berichterstattung vom Katharinenkloster und vom Roten Meer.

Bis dahin verabschieden sich zwei Kamele! 

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