Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird (Jes 56,5)

Wie kann man an eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte angemessen erinnern? Heute besuchten wir Yad Vashem, die große Gedenkstätte für die Opfer der Shoa. Mir fehlen eigentlich die Worte, um diesen Tag beschreiben zu können.

Gibt es überhaupt Worte, die man sprechen kann, die nicht sofort hohl, sinnentleert und unangemessen klingen? Ich weiß es nicht, ich finde diese Worte, so es sie gibt, nicht. „Wir Deutsche“, wir sind nicht nur das Land von Goethe und Schiller, der Gebrüder Grimm, großer Kirchenbauten, von Bach und Händel – wir sind auch das Land, von dem aus die Vernichtung von über 6 Millionen Juden ausging. „Aber ein Land ist nicht nur das, was es tut – es ist auch das, was es verträgt, was es duldet.“ (Kurt Tucholsky)

Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen (Yad Vashem), der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals ausgetilgt wird. (Jes 56,5) Und so ist auch der Anspruch von Yad Vashem, dass kein Name verloren geht, dass ein jedes Opfer beim Namen genannt wird und dadurch ein Gesicht und eine persönliche Geschichte erhält.

Auch wenn ich die politische Konnotation mit dem Zionismus an der Gedenkstätte für fragwürdig halte, so ändert dies nichts an der Gedenkstätte als solche. Worte kann ich darüber nicht verlieren – einen Einblick vermag die Internetseite unter http://www.yadvashem.org/ vermitteln. Fotos habe ich nicht viele gemacht, einige wenige möchte ich dennoch nicht vorenthalten. Innerhalb des Museums, das eine mit Medien, Bildern und Erinnerungsstücken untermalte chronologische Aufreihung der Geschichtsabläufe aufweist, darf nicht fotografiert werden, und die Stätte, die an die eineinhalb Millionen ermordeter Kinder erinnert, kann auf einem Bild nicht festgehalten werden – 5 Kerzen spiegeln ihr Licht ins Unendliche wieder.

Ein originaler Waggon, mit dem die Juden abtransportiert wurden wie Vieh, eine Reise, die in den Tod führte – was die abgebrochenen, in den Abgrund ragenden Schienen verdeutlichen

Im Tal der Gemeinden erinnern die eingravierten Ortsnamen an all die ausgelöschten jüdischen Gemeinden

Zum Glück aber gab es doch immer Menschen, die Widerstand geleistet haben. Derer, die ein jüdisches Leben gerettet haben unter Einsatz des eigenen Lebens, wird ebenfalls in Yad Vashem gedacht.

Auch der ehemalige Kölner Erzbischof Josef Kardinal Höffner gehört seit dem Jahre 2003 zu den „Gerechten unter den Völkern“

Dieser Baum erinnert an Oskar Schindler und seine Frau Emilie in der „Allee der Gerechten unter den Völkern“ – sie haben etwa 1000 Juden das Leben gerettet.

Ich habe mich heute nicht unbedingt dafür geschämt, dass ich Deutsche bin. Ich habe mich hauptsächlich dafür geschämt, ein Mensch zu sein – denn das Menschen einander solche Dinge antun können, das will und kann ich einfach nicht begreifen. Hoffen und beten wir, dass wir unsere Geschichte niemals vergessen, damit sie sich niemals wiederholt.

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Ein Kommentar

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