Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie (Lk 19,41)

Wer Jerusalem ein wenig kennt, der weiß, dass diese Stadt recht hügelig ist. Den Studienjährlern kann das zum Verhängnis werden, denn abgesehen davon, dass wir stets den Zionsberg erklimmen müssen, wenn wir in unser trautes Heim wollen, kann es auch heißen: Ölberg, los! Der Ölberg ist ja so etwas wie der christliche Hausberg Jerusalems –  ein religiös recht gebundener Freiburger Schlossberg: hier erblickte Jesus die Stadt und weinte, weil er um ihre Zerstörung wusste (Dominus flevit), hier wachte und betete er die Nacht vor seiner Verhaftung (Garten Getsemane), hier wurde er von den römischen Soldaten festgenommen, hier fuhr er gen Himmel auf, hier sind die Gräber der Propheten und das Grab Mariens – wer einen Kurzüberblick über die christliche Geschichte wünscht, der spaziere einfach mal den Ölberg entlang. Doch damit nicht genug, auch jüdische und moslemische Frömmigkeit finden hier ihren Platz, so ist doch der Hang voller jüdischer Gräber. Die Toten haben bereits eine Ehrenloge für den Tag, an dem der erwartete Messias durch das goldene Tor in die Stadt einzieht:

Was man noch auf dem Ölberg hat? Einen fantastischen Ausblick auf Jerusalems Altstadt! Diese Sicht kann man von Dominus Flevit aus genießen, dem Ort, an dem Jesus am Palmsonntag bei seinem Einzug in die Stadt ihretwegen geweint haben soll.

Wir müssen die Zeit, in der Prof. Küchler bei uns im Studienjahr ist, ausnutzen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen weiteren Menschen gibt, der so viel über die Archäologie Jerusalems weiß und dieses Wissen auch noch in einem 1200 Seiten starken Buch veröffentlicht hat. Daher keine Klagen, wenn es früh losgeht – es ist auch angenehmer, den Berg erklommen zu haben, bevor die Mittagshitze einen ausgebrütet hat wie die Henne ihr Ei.

Die Kirche der Nationen im Garten Getsemane, wo übrigens auch ein von Papst Paul VI. gepflanzter Ölbaum steht

Die Pater-Noster Kirche beherbergt französische Karmeliterinnen. Vorgängerbau war die Eleona aus dem 4. Jh., von der noch einige Überreste zu bewundern sind. Hier soll Jesus seine Jünger das Vater Unser zu beten gelehrt haben – deswegen finden sich an den Mauern Steintafeln mit dem Herrengebet in allen vorstellbaren Sprachen.


Und manche der Sprachen regen doch zum Schmunzeln an 🙂

Die Stelle der Himmelfahrt Christi ist ganz oben auf dem Ölberg – da gibt es verschiedene Traditionen, verschiedene Orte… Wie das ja häufig so ist. Vielleicht ist er aber auch dort gen Himmel aufgefahren, wo heute eine Verkehrsinsel steht. Ja gut.

Am Fuße des Ölbergs findet sich das Mariengrab – wenngleich dieses leer ist dank der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Tradition nach ist Maria auf dem Zionsberg gestorben – der aufmerksame Blogleser wird diese Tradition verankern können an der Dormitio-Abtei.

Die Stufen, die zum Grabe hinunter führen, sind mit Kerzen beleuchtet – ein schöner Anblick!

Und so sieht es also aus, das Grab der Maria.

Ich gebe zu, es gäbe noch sehr viel mehr zu erzählen – mit dem Ölberg kann man sich lange und ausführlich beschäftigen. Aber ich denke, das reicht erst einmal an theologischem Input für einen Tag 🙂 Übrigens funktioniert meine Kamera wieder, sie hat sich von ihrem Betlehem-Ausflug erholt, mir verziehen und steht wieder zu Diensten.

Diese Nachricht erfreut die aschblonde Ananas-Annika und den magentafarbenen Mangold-Marcel sehr.

Damit verabschiede ich mich und wünsche allen einen schönen Sonntag!

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