O little town of Betlehem how still we see thee lie …

Es ist Dienstag, und damit ist Exkursionstag – für einen Tag in der Woche wird der Vorlesungsraum verlassen, die Rucksäcke werden angeschnallt und auf geht es irgendwo quer durch Israel. Nun gut, heute sind wir „nur“ in das einige wenige Kilometer entfernte Bethlehem gefahren, doch auch das war ein kleines Erlebnis. Normal ist es nun, durchs Zionstor in die Altstadt zu laufen, die kleinen Gassen gar nicht mehr so zu würdigen wie noch vor zwei Wochen, und hinterm Damaskustor am arabischen Busbahnhof in einen Bus nach Betlehem zu steigen. „Gewöhnt“ hat man sich auch daran, dass am Checkpoint israelische Soldaten mit Maschinengewehren den Bus betreten und die Ausweise kontrollieren, bevor man passieren darf – aber wird man es jemals als normal empfinden können, wenn man in der EU aufgewachsen ist und von Baden-Baden nach Rom, nach Stockholm oder Paris fliegen kann, ohne sich dabei wirklich ausweisen zu müssen?

Die große Mauer, die von der Höhe her die Berliner Mauer um einige Meter übertrifft und das israelische vom palästinensischem Gebiet trennt, macht die Vorstellung, hier einmal so problemlos Grenzen überschreiten zu können wie in Europa, eigentlich unmöglich. Den Rückweg nach Jerusalem traten wir zu Fuß an – zumindest über den Checkpoint. Wie in einem langgezogenen Käfig wandelt man dort zwischen Gitterstäben, muss Drehtüren, Sicherheits- und Passkontrollen passieren.

                                                                                                An der Mauer entlang….

Erstes Ziel in Betlehem war natürlich – wie könnte es anders sein – die Geburtskirche. Diese ursprünglich byzantinische Kirche, an der ständig gebaut wurde, die Belagerungen, Streitigkeiten und Konfessionsschwierigkeiten ertragen und aushalten musste, ist in einem jämmerlichen Zustand, was die Restaurierung betrifft. Wie schade, dass ein solch wichtiger Ort so vernachlässigt wird – nicht etwa, weil das Geld fehlt, sondern weil man nicht entscheiden kann, wer hier wann wo und was zu sagen hat. Dennoch übt diese Kirche eine Faszination aus, wenngleich diese mit Sicherheit nur in den Randstunden mit einer gewissen Andacht genossen werden kann, den Rest des Tages fallen Touristen wie Bienenschwärme über sie her.

Und so sieht sie also von innen aus – unter dem Altar befindet sich die Geburtsgrotte, in welcher der Heiland das Licht der Welt erblickt haben soll

Nach einem Gespräch mit einem palästinensischen evangelischen Pfarrer in dem Gebäude, in dem die Kölner Domchöre 2004 ein Konzert gesungen haben, nämlich dem Internationalen Begegnungszentrum Betlehem – die Betreffenden mögen sich auch anhand der Überschrift daran erinnern – kamen wir zum wohl wichtigsten Tagespunkt: dem Mittagessen. Auch wenn wir im Beit Joseph wirklich ganz hervorragend bekocht werden, macht es doch auch Spaß, ab und an einen Straßenimbiss aufzusuchen und einmal „richtig einheimisch“ (quasi Weißwurst und Co) zu speisen.

Solch wunderbare Speisen bekommt man für 20 NIS, umgerechnet 4 €, aufgetischt!

 

Und so sieht es aus, wenn eine Horde hungriger Studienjährler über Falafel, Humus, Pita und andere Köstlichkeiten hergefallen ist

So gut gestärkt konnte am Nachmittag der Heimweg angetreten werden. Und als ich aus dem kleinen arabischen Bus in Jerusalem am Jaffa-Tor ausstieg und bis zum Zionstor durch die Altstadt lief, da waren die Straßen so vertraut als ob ich schon seit jeher hier wohnen würde, da kam der Turm der Dormitio in Sicht, da dachte ich mir: schön, wieder zu Hause zu sein!

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Allgemein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s